Event Rückblick: «Would You Trust an Artificial Pancreas?»
Vertrauen in digitale Gesundheitstechnologien entsteht nicht durch Technologie allein, sondern durch die Art, wie wir darüber kommunizieren. Das war der rote Faden des DSI-Symposiums «Would You Trust an Artificial Pancreas?», das Forschungsperspektiven mit der Erfahrung von Menschen mit Typ-1-Diabetes zusammenbrachte.
Das von der DSI Community Health finanzierte Symposium «Would You Trust an Artificial Pancreas? The Role of Communication in Digital Health» fand am 8. Juni an der Digital Society Initiative (DSI) der Universität Zürich statt. Es brachte vier internationale Referent:innen und rund 25 Teilnehmende aus Wissenschaft, Gesundheitswesen und der Diabetes-Community zusammen, um der zentralen Frage der Veranstaltung nachzugehen: Wie prägt Kommunikation das Vertrauen in digitale Gesundheitstechnologien und wie werden diese Dynamiken durch die gelebte Erfahrung mit einer künstlichen Bauchspeicheldrüse herausgefordert oder verkompliziert?
Organisiert wurde die Veranstaltung von Clara-Maria Barth und Federica Zavattaro. Clara-Maria Barth ist Doktorandin in Informatik. Ihre Forschung befasst sich mit der gelebten Erfahrung im komplexen technologischen Ökosystem rund um das Leben mit Typ-1-Diabetes. Federica Zavattaro ist Doktorandin in Digital and Mobile Health und untersucht Vertrauen in politische Prozesse rund um das Teilen von Gesundheitsdaten.
Zum Auftakt rahmten die beiden Organisatorinnen die Diskussion, indem sie die Verbindungen zwischen Vertrauen, Kommunikation, digitaler Gesundheit und dem Leben mit chronischen Erkrankungen aufzeigten. Damit war die Bühne bereitet für die vier eingeladenen Referent:innen, die unterschiedliche Perspektiven auf das Thema einbrachten:
Dr. Libby Maman, Postdoktorandin und Unternehmerin aus Barcelona, präsentierte theoretische und empirische Perspektiven auf institutionelles Vertrauen. Ausgehend vom ABI-Modell der Vertrauenswürdigkeit (Ability, Benevolence, Integrity) zeigte sie auf, wie unterschiedliche Zielgruppen diese Dimensionen unterschiedlich gewichten, wenn sie die Vertrauenswürdigkeit digitaler Gesundheitslösungen beurteilen.
Clara Häfliger, Doktorandin an der Schweizer Paraplegiker-Forschung und der Universität Luzern, beleuchtete die Rolle der Kommunikation in der Versorgung chronisch kranker Menschen. Sie zeigte auf, wie Gesundheitskommunikation auf mehreren miteinander verbundenen Ebenen wirkt – von der Interaktion zwischen Patient:innen und Fachpersonen über interprofessionelle und institutionelle Kommunikation bis hin zu Public Health und dem Austausch zwischen Institutionen. Ihr Fazit: Vertrauen in digitale Gesundheit hängt weniger von der Technologie selbst ab als davon, ob die Kommunikation rund um sie den Menschen das Gefühl gibt, begleitet, unterstützt und gesehen zu werden.
Janina Gaudin, Comic-Designerin und visuelle Künstlerin aus Neuseeland, forderte unser Verständnis von Gesundheitskommunikation mit der sogenannten Graphic Medicine heraus, also dem Einsatz von Comics in der Medizin. Gestützt auf ihre Arbeit mit der WHO und ihre eigene Erfahrung mit Typ-1-Diabetes zeigte sie, wie visuelle Metaphern, Figuren und Humor helfen können, die Komplexität, die emotionale Belastung und den Alltag des Lebens mit Diabetes zu vermitteln. Zugleich sensibilisierte sie dafür, wie Worte und Bilder in der Kommunikation über Diabetes Stigmatisierung verstärken können.
Dr. Francisco Nunes, Forschender am Fraunhofer AICOS in Portugal, untersuchte die Entwicklung und den Alltagsgebrauch von OpenAPS, einer Open-Source-Lösung für die künstliche Bauchspeicheldrüse. Anhand von Beispielen von Nutzer:innen und Angehörigen zeigte er, wie Transparenz, technisches Verständnis, Personalisierung und wiederholte Erfahrung Vertrauen schaffen können. Vertrauen erscheint hier als pragmatische Antwort auf Systeme, die Nutzer:innen zwar als unvollkommen einschätzen, die aber besser auf ihre Bedürfnisse eingehen als kommerziell verfügbare Technologien.
Nach einer Networking-Pause folgte eine interaktive Podiumsdiskussion mit Referent:innen, Organisatorinnen und Publikum. Diskutiert wurden die Rolle des Vertrauens bei der Verbreitung digitaler Gesundheitstechnologien, die Bedeutung wirksamer Kommunikation, Chancen und Herausforderungen künstlicher Intelligenz, die Rolle vertrauenswürdiger Vermittler:innen sowie Prioritäten für die künftige Forschung. Die Vielfalt der Perspektiven – von der akademischen Forschung bis zur gelebten Erfahrung – sorgte für einen reichen und anregenden Dialog.
Den Abschluss bildete ein Apéro, bei dem die Teilnehmenden das Gespräch in informellem Rahmen fortsetzen, Ideen austauschen und neue Kontakte für künftige Zusammenarbeit knüpfen konnten.
Die Organisatorinnen danken allen Referent:innen und Teilnehmenden herzlich für ihre wertvollen Beiträge, die durchdachten Diskussionen und das grosse Engagement während des gesamten Symposiums.