Forschung in Zusammenhang mit dem Coronavirus im DSI-Netzwerk

Kommunikationswissenschaften, Psychologie, Theologie oder auch Informatik und Zahnmedizin – im Zuge der Coronakrise sind im Netzwerk der Digital Society Initiative viele interessante Forschungsprojekte entstanden.

 

Wir stellen Ihnen hier einige der Projekte vor. 
 

Arbeitspsychologie: Arbeiten in Zeiten von Corona

Der Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Zürich untersucht im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie, wie sich die aktuelle Arbeitssituation auf das Verhalten und Empfinden auswirkt. Das Team möchte herausfinden, welche Herausforderungen Arbeitnehmende derzeit bewältigen müssen und welche Bedingungen dabei förderlich oder hinderlich sind.

Kontakt: Pia Ingold

Betriebswirtschaft: Übergänge zum Homeoffice während der Pandemie

Was hilft Mitarbeitern beim Übergang zum Homeoffice? In einer fünfwöchigen Längsschnittstudie über Menschen, die während der Pandemie in der Schweiz ins Homeoffice wechseln, untersuchen wir, wie psychologische Faktoren, darunter z.B. auch die Einstellung, ob eine bestimmte Art von Person gut in der Fernarbeit sein muss, virtuelle soziale Interaktionen und die Persönlichkeit, das Wohlbefinden und die Produktivität der Mitarbeiter vorhersagen.

Kontakt: Jochen Menges (Betriebswirtschaft), Lauren Howe (Betriebswirtschaft) 

Betriebswirtschaft: Bewältigung und Anpassung an COVID-19

Welche Rolle spielt emotionale Intelligenz bei der Bewältigung und Anpassung an eine plötzliche Krise? Wir untersuchten Schülerinnen und Schüler, die über 4 verschiedene Zeitpunkte der Entwicklung der Corona-Krise über ihre Gefühle und Verhaltensweisen berichteten. Wir gleichen diese Daten mit den Ergebnissen der Schülerinnen und Schüler in einem emotionalen Intelligenztest ab.

Kontakt: Jochen Menges (Betriebswirtschaft), Leonie Hentrup (Betriebswirtschaft) 

Die Gruppe Biomedical Text Mining am Institut für Computerlinguistik der Universität Zürich ist seit vielen Jahren auf dem Gebiet der automatischen Analyse von biomedizinischem Text, einschliesslich wissenschaftlicher Literatur, klinischer Berichte und sozialer Medien, tätig.

Im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie hat diese Gruppe eine Initiative gestartet, die darauf abzielt, COVID-19-bezogene wissenschaftliche Publikationen automatisch zu verarbeiten, um Erwähnungen domänenspezifischer Einheiten von besonderer Relevanz (wie z.B. Gene, Symptome, Medikamente, Organe usw.) zu erkennen. Der Hauptzweck dieser Arbeit ist die Verbesserung der Zugänglichkeit der Literatur, z.B. die Vereinfachung der Suche nach Arbeiten, die sich mit einem bestimmten Gen befassen, oder die Identifizierung unerwarteter Verbindungen zwischen verschiedenen Einheiten.

Ein zweiter Forschungsschwerpunkt ist die Analyse von Social-Media-Gesprächen (insbesondere Twitter) im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie. Verschiedene Arten der Visualisierung und Analyse ermöglichen es, unterschiedliche Tendenzen in der öffentlichen Wahrnehmung der Krankheit und der Massnahmen, die zur Bekämpfung der Krankheit ergriffen werden, zu untersuchen.

Hier finden Sie zusätzliche Informationen.

Kontakt: Fabio Rinaldi (Computerlinguistik)

Digitales Lernen: Distanzlernen für Rentnerinnen und Rentner

OldSchool. A distance learning platform for 65+ ist ein Projekt, welches ältere Menschen ab 65 Jahren mit verschiedenen digitalen Grundkenntnissen vor der Isolation schützt und ihnen Hilfsmittel für “Life-long learning” zeigt.

Hier finden Sie weitere Informationen.

Kontakt: Burcu Demiray (Psychologie)

Ethik/Generell: Öffentliche Wahrnehmung von Krisenkommunikation

PubliCo ist eine experimentelle Online-Plattform für COVID-19-bezogene öffentliche Wahrnehmung: Während sich das Coronavirus (SARS-CoV-2) weiter global ausbreitet und schwere menschliche Erkrankungen und Todesfälle (COVID-19) verursacht, sind Bürger auf der ganzen Welt der Krisenkommunikation durch ein vielfältiges Spektrum von Medien ausgesetzt, darunter Websites von Gesundheitsbehörden und Universitäten, Zeitungen, Televisionssendungen und soziale Medienplattformen.

Diese politischen Informationen, Expertenmeinungen, Meinungsäusserungen der Bevölkerung sowie Dashboards, interaktive Karten und visuelle Darstellungen sind nicht nur zu Informationsquellen geworden, sondern auch zu einem Brutkasten für emotionale Reaktionen, moralische Urteile und Verhaltensänderungen in der täglichen Routine während einer Krisensituation im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Ein interdisziplinäres Team von Forscher*innen des DSI, des Collegium Helveticum, des Collegium Helveticum und des Swis-sTPH hat sich zusammengeschlossen, um eine experimentelle, interaktive Online-Plattform zu entwickeln, die dazu beiträgt, die "Infodemie", die sich im COVID-19-Kontext manifestiert, zu bekämpfen, wobei ein nuanciertes und vertieftes Verständnis der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund steht. Aufbauend auf Echtzeitdaten, kontinuierlicher Datenerhebung durch einen partizipatorischen bürgerwissenschaftlichen Ansatz und fortschrittlicher, KI-basierter Analytik zielt die äusserst anpassungsfähige Plattform darauf ab, eine effektive und massgeschneiderte Risiko- und Krisenkommunikation in der Schweiz und in anderen Ländern zu fördern, dazu beizutragen, die negativen sozialen Auswirkungen der COVID-bezogenen Politik abzuschwächen und Erkenntnisse für einen sich abzeichnenden ethischen Rahmen für die Krisenkommunikation und die Politikgestaltung im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu gewinnen.

Kontakt: Nikola Biller-Andorno (Medizinethik)

Ethik: Ansichten der Bevölkerung zu Triage-Entscheidungen

Markus Kneer erforscht mit Kolleg*innen die moralischen Überzeugungen von Schweizer Bürgerinnen und Bürgern hinsichtlich der Triage (wer soll im Krankenhaus behandelt werden, falls nicht alle behandelt werden können?). Es nehmen an der schweizweiten Studie bereits 1600 Teilnehmende an der Umfrage teil. Die Ergebnisse zeigen z.B., dass in Triage-Situationen die grosse Mehrheit den Grundsatz der Nichtdiskriminierung für prinzipiell richtig befindet. Viele halten dennoch höheres Alter oder Kinderlosigkeit für ein Kriterium für weniger präferenzielle Behandlung.

Kontakt: Markus Kneer (Ethik)

Ethik: Ethik von Massenüberwachung

Der Ethiker Michele Loi hat innerhalb der MyData Community ein community-based Projekt gestartet. Er koordiniert die Definition des ethischen Rahmens für den Aufbau eines (interoperablen) gemeinsamen Datenbestands, der auf einem starken Werterahmen (MyData-Prinzipien, rechtlich, ethisch) basiert und sich auf die Befähigung des Einzelnen im Zusammenhang mit COVID-bezogenen Daten konzentriert, mit einem breiteren Fokus als die Ermittlung von Kontaktpersonen. Diese Daten könnten mit Akademikern auf der Grundlage von Protokollen, die z.B. auf den Empfehlungen der Allianz für Forschungsdaten COVID und der WHO beruhen, unter strengen ethischen und rechtlichen Einschränkungen ausgetauscht werden.

Kontakt: Michele Loi (Ethik)

Finanzwissenschaft: Auswirkung der Corona-Pandemie auf Aktienkurse

Was verraten uns die Aktienkursreaktionen auf COVID-19? In der Studie "Feverish Stock Price Reactions to COVID-19" analysieren Doktorand Stefano Ramelli und Professor Alexander Wagner, wie Investoren auf die Coronavirus-Pandemie reagieren. Im scheinbaren Chaos von äusserst negativen und volatilen Reaktionen der Aktienmärkte zeigen sich klare Muster. Anfänglich standen Sorgen über Lieferketten im Vordergrund. Seit Ende Februar sind Investoren und Analysten aber zunehmend beunruhigt über Unternehmensverschuldung und Liquidität. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die Gesundheitskrise in eine Wirtschaftskrise verwandelt, die durch bereits bestehende Schwächen der Finanzmärkte verstärkt wird.

Zusatzinfo: Moderne Technologien kommen bei dieser Forschung zum Einsatz, weil z.B. automatische Textanalysen verwendet werden, um die Aussagen von Managern in Konferenzschaltungen mit Finanzanalysten zu analysieren. Auch benützen die Forscherinnen und Forscher Daten bezüglich der China-Exposure der Unternehmen, die mittels Algorithmen aus Unternehmensdokumenten abgeleitet werden.

Kontakt: Alexander Wagner (Institut für Banking und Finance)

Informatik: Corona-Tracing-App

Das Team um Burkhard Stiller arbeitet mit einer Firma zusammen, um ein Papier über einen Prototypen einer Tracing App zu schreiben, welche vollständig die Privatsphäre der Benutzer sicherstellt und damit im Gegensatz zu vielen anderen Apps, u.a. im asiatischen aber auch europäischem Raum, klar das Individuum schützt und seine Daten ebenso. Das Protokoll basiert auf den Bluetooth Low Energy (BTE) basierten BTE Advertisement Nachrichten und auf über asymmetrische Schlüssel auf minimaler Ebene ausgetauschte Informationen.

Kontakt: Burkhard Stiller (Informatik)

Intensivmedizin: Überwachung von Corona-Intensivpatienten

Auf der Neurointensivstation des Universitätsspitals Zürich wird seit 2014 in Kollaboration mit der Universität, ETH Zürich und IBM Research Rüschlikon das Projekt «ICU-Cockpit» entwickelt. Dabei werden durch modernste Informationstechnologie Daten zahlreicher medizintechnischer Geräte in Echtzeit und einer Auflösung von bis zu 1000 Hertz erfasst, zeitsynchronisiert und verschlüsselt gespeichert. Basierend auf Video-Monitoring wurden bereits Algorithmen zur Früherkennung epileptischer Krampfanfälle und anderer kritischer Komplikationen entwickelt. Um die Algorithmen für die klinische Praxis direkt am Krankenbett nutzbar zu machen, wird aktuell in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) eine Benutzeroberfläche (GUI) entwickelt, um die multimodalen Daten zu visualisieren und zu interpretieren.

Im Rahmen der Corona-Krise besteht dringender Bedarf, das ICU Cockpit-GUI als «Dashboard» zur zentralen, Patienten-fernen Überwachung dem Personal möglichst schnell zur Verfügung zu stellen. Das schon weitgehend entwickelte ICU Cockpit-GUI wird nun in verkürzter Entwicklungszeit innerhalb von vier Wochen «life» geschaltet. Dazu sind folgende Schritte erforderlich: 1. Die Software mit Einbindung der «life-Daten» wird an die spezifischen Bedürfnisse der Corona-Krise angepasst (z.B. Kennzeichnung von Teststatus SARS-CoV2 und isolierten Patienten). Die Software-Dokumentation wird nach Medizinprodukte-Regulierung (MDR) erstellt und es werden Algorithmen zur Elimination von Signalartefakten und zur Vorhersage kritischer Komplikationen bei Intensivpatienten validiert und implementiert. 

Kontakt: Emanuela Keller (Neurochirurgische Intensivstation)

Interaktionslinguistik: Geht es auch ohne Interaktion? "Geistervorlesungen" an der UZH

«Vorlesungen unter Corona-Bedingungen: Geht es auch ohne Hörsaal?»

Im Rahmen eines SNF-Projektes zum Zusammenhang von Interaktion, Sprache und Architektur bei institutioneller Kommunikation erforschen wir die «Vorlesung» im pandemiebedingt raschen Übergang hin zu einer Vielfalt neuer digitaler Lehrformate. Mit den Methoden der multimodalen Interaktionslinguistik analysieren die Forscher*innen Bildschirmaufzeichnungen von Online-Vorlesungen, Podcasts von Vorlesungen, die in leeren Hörsälen aufgezeichnet wurden, sowie Videoaufnahmen, welche die Situation der Studierenden dokumentieren, wenn diese von zu Hause aus an Vorlesungen teilnehmen. Die Studien zielen ab auf die Beantwortung der Frage, inwiefern die klassische Hörsaalarchitektur und körperliche Ko-Präsenz von den beteiligten Dozent*innen und Student*innen mittels anderer kommunikativer Verfahren substituiert werden (können). Damit leistet das Projekt einen empirischen Beitrag zur Erforschung des Wandels der universitären Lehr-Lernkommunikation mit besonderem Fokus auf die sich verändernde Bedeutung von Anwesenheit für die Vorlesung.

Projektinfos unter: https://www.ds.uzh.ch/de/projekte/interaktionsarchitektur.html

Kontakt: Heiko Hausendorf (Deutsches Seminar),

Kommunikationswissenschaft: Einfluss der Social Media auf Einhaltung des Social Distancing

Prof. Dr. Thomas Friemel und Dr. Sarah Geber vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung haben während der ersten Woche des Lockdowns untersucht, wie wichtig verschiedene Kommunikationskanäle für die Bevölkerung waren, um sich über das Coronavirus zu informieren, und welche Wirkung die Nutzung dieser Kanäle auf das Einhalten der Schutzmassnahme „Social Distancing“ hatte.

Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen der Nutzung von klassischen Massenmedien (TV, Radio, Zeitung) und Social Media-Plattformen (Facebook, Twitter, Instagram). Die Nutzung redaktioneller Medien wirkt sich positiv auf die Einhaltung von Social Distancing aus; Social Media-Kanäle hingegen eher negativ. Erstens tragen Social Media-Kanäle zur Wahrnehmung bei, dass andere sich nicht an die Vorgabe halten (soziale Norm). Zweitens reduziert Social Media die Wirksamkeitserwartung, also die Überzeugung, dass man die Empfehlung des BAG im Alltag konsequent einhalten kann. Die Befunde wurden bereits mit dem BAG geteilt und helfen den Verantwortlichen, die laufende Kommunikationskampagne weiter zu entwickeln.

Kontakt: Thomas Friemel (Kommunikationswissenschaft)

Kommunikationswissenschaft: Falschinformation in Zeiten von Corona

Edda Humprecht, Frank Esser und Anna Staender vom IKMZ führen derzeit eine Studie durch, in der es um die Verbreitung von Falschinformationen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie geht (z.B „Das Coronavirus ist eine Biowaffe, die im Labor hergestellt wurde“). Mittels Befragung und Befragungsexperimenten untersucht das Team die Bereitschaft von Onlinenutzer*innen in verschiedenen Ländern (Schweiz, Deutschland, Belgien, Frankreich, UK und USA), solche Informationen in sozialen Medien zu verbreiten. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Onlinenutzer in Ländern, die politisch stark polarisiert sind und in denen das Vertrauen in etablierte Medien vergleichsweise gering ist, Falschinformationen eher verbreitet werden. Ausserdem spielen persönliche Faktoren eine Rolle.

Kontakt: Edda Humprecht (Kommunikationswissenschaft)

Kommunikationswissenschaft: Gebrauch von digitalen Medien während der Corona-Epidemie

Mit der COVID-19-Studie über digitale Medien und die Coronavirus-Pandemie (http://webuse.org/covid/) sammeln die Forscher*innen Umfragedaten bei Schweizerinnen und Schweizern aus allen Regionen des Landes (sowie aus Italien und den USA) zu der Nutzung digitaler Medien in den letzten Wochen, ihren Gesundheitszustand, wo sie Informationen über COVID-19 erhalten, ihre Bereitschaft, eine App zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus zu installieren, ihre familiäre Situation, ihr Wohlbefinden und verschiedene andere Fragen. Es bestehen derzeit einige Ergebnisse für die USA, bis Ende April hat das Team auch Ergebnisse für die Schweiz und Italien.

Kontakt: Eszter Hargittai (Kommunikationswissenschaft)

Medizin: Auswirkungen des Lockdowns auf Risikopersonen FLISbook.ch

Der Lockdown wird für viele Bewohner*innen der Schweiz schon bald gelockert. Aber nicht für alle! Viele sogenannte Risikopatient*innen tragen nicht nur das Schicksal einer chronischen Krankheit. Ihre Bewegungsfreiheit wird auch weiterhin eingeschränkt bleiben, weil eine COVID-19 Infektion möglicherweise einen schwerwiegenden Verlauf nehmen könnte. Dies kann sehr belastend sein. Mit dem digitalen Projekt FLISbook wollen wir erfahren, wie es solchen Personen körperlich und psychisch geht, welche Ansteckungsrisiken sie zu vermeiden versuchen und wie sie sich mit der gegenwärtigen Lage auseinandersetzen. Nicht nur heute, sondern auch längerfristig. Denn für sie ist der Lockdown möglicherweise noch lange nicht zu Ende. Das Projekt startet etwa Ende April.

Kontakt: Viktor von Wyl (Digitale Medizin)

Medizingeschichte: Ausbreitung der Spanischen Grippe als Vergleichsmassstab für COVID19

Im Rahmen des Projektes "Digitalising health of past societies to learn for the future" digitalisiert das Institut für Evolutionäre Medizin derzeit historische Archivaufzeichnungen, wie sich die Spanische Grippe in der Schweiz auf Gemeinde-Ebene ausgebreitet hat. Aus diesen zeitlichen und räumlichen Ausbreitungsmustern sowie den behördlichen Interventionen auf verschiedenen Ebenen wollen wir für heutige ähnliche Herausforderungen (z.B. zweite Epidemienwellen, etc.) lernen. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit von Evolutionsmedizinern, Historikern, Epidemiologen und Geografen.

Kontakt: Kaspar Staub (Institut für Evolutionäre Medizin)

Musikwissenschaft: Einfluss von COVID19 auf berufliches Leben der Musiker

Am Lehrstuhl für Kognitive und Affektive Neurowissenschaften der UZH (Prof. Sascha Frühholz) haben ein Team vergangene Woche eine online-Studie zur Situation von professionellen Musiker*innen & Musikstudierenden während Covid-19 in Europa gestartet. Die Studie ist in englisch und deutsch verfügbar und befasst sich insbesondere damit, wie Musiker*innen aktuell mit den Einschränkungen umgehen, indem das Übungsverhalten im letzten Jahr vs. aktuell, den Grad der Isolation, sowie das Ausmass, indem der Berufsalltag betroffen (z.B. abgesagte Konzerte, ausfallende Unterrichtsstunden) oder verändert (Umstieg auf digitale Alternativen) ist, erfassen. Besonders evaluiert werden in diesem Kontext auch Persönlichkeitszüge und die emotionalen Folgen (z.B. Zukunftsängste) der Musiker*innen. Um zu erfassen, wie sich die Betroffenen an die Situation anpassen, versenden wir zudem zweimal wöchentlich Einladungen zu einer kurzen Verlaufsmessung.

Kontakt: Sascha Frühholz (Kognitionswissenschaft)

Politikwissenschaft: Einfluss von COVID-19 auf politische Meinungsbildung

Entwicklung von COVID-19 in der Schweizer Twittersphäre (https://digdemlab.io/eye/2020/04/01/coronavirus.html. Die Seite wird regelmässig aktualisiert.

Kontakt: Fabrizio Gilardi (Politikwissenschaft)


Aktuelles SNF-Gesuch: The Viral Politics of COVID-19

Das Projekt schlägt eine quantitative Analyse vor, wie der anhaltende Ausbruch von COVID-19 die politischen Einstellungen und den aufkommenden Diskurs über Social Media in der Schweiz beeinflusst. Wir werden zwei neue Datensätze erstellen, die für viele Forschende nützlich sein könnten: 1) eine repräsentative Haushaltsbefragung mit einer präpandemischen Ausgangslage und 2) ein Korpus von Millionen von Tweets von Politikern und politisch engagierten Bürgern im Zusammenhang mit COVID-19. Anhand dieser Datensätze analysiert das Projekt die Auswirkungen der Gesundheitskrise auf die Schweizer Politik, wobei wir die Trends für die Eliten auf Twitter mit denen der Mainstream-Haushalte vergleichen können.

Kontakt: Elliott Ash

Psychologie: Auswirkung von Corona auf die Kommunikation zwischen älteren Menschen (u.a. Einsamkeit)

Das Team um Birthe MacDonald hat vor einigen Wochen eine Folgestudie zu einem Projekt aus dem Jahr 2019 gestartet, in dem es um die tägliche Kommunikation älterer Menschen ging. Dabei lag der besondere Fokus darin, auch die Kommunikation über digitale Geräte (also Textnachrichten, Videoanrufe, soziale Netzwerke) mit einzubeziehen. Da sich der Stellenwert der digitalen Kommunikation durch die aktuelle Krise eventuell verändert hat, haben das Team die Probanden vom letzten Jahr kürzlich dazu eingeladen, wöchentlich einen kurzen Fragebogen über ihre aktuelle Kommunikation und ihre Zufriedenheit auszufüllen, auch in Bezug auf Einsamkeit.

Kontakt: Birthe MacDonald (Psychologie)

Psychologie: Einstellung der Bevölkerung zu Tracing Apps

Der Kognitionspsychologe Klaus Oberauer hat kürzlich eine Online-Umfrage (via Respondi) gestartet, bei der eine Stichprobe von ca. 1000 Personen aus der Deutschschweiz befragt wird zu ihrer Einschätzung von „tracking apps“ zum Verfolgen von Aufenthaltsort/Kontakten zur Eindämmung von COVID-19. In zwei experimentellen Bedingungen werden zwei unterschiedliche Szenarien zur Einführung einer solchen App skizziert: Eine „milde“ Version, bei der die Verwendung der App freiwillig ist, und eine „starke“ Version, bei der sie verpflichtend ist.

Es wird ebenfalls nach der Einschätzung gefragt, wie wirksam eine solche App zur Eindämmung der COVID-19 Krise wäre und wie akzeptabel die Einführung der App ist. Die Studie ist Teil eines internationalen Projekts, das dieselbe Umfrage in mehreren Ländern (Australien, Grossbritannien, USA, Deutschland, Schweiz und vermutlich weitere Länder) durchführt. Klaus Oberauer ist einer von vielen Kooperationspartnern, hat aber an der Planung und Gestaltung der Studie nicht mitgewirkt.

Kontakt: Klaus Oberauer (Kognitionspsychologie)

Psychotherapie: Veränderung durch Telepräsenz

Wie wichtig ist Anwesenheit? Psychotherapie und psychotherapeutische Beziehung im Übergang von Ko-Präsenz zu Tele-Präsenz

Die COVID-19 Pandemie führt zu fundamentalen Veränderungen in der Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten – auch in der Psychotherapie: viele Therapien finden nicht mehr von Angesicht zu Angesicht, sondern per Videotelefonie statt. Was hat das für Auswirkungen auf die therapeutische Beziehung? Welche Probleme entstehen, wie werden diese gelöst? Welche bleiben bestehen? Wie wird unter diesen neuen Umständen ‘Präsenz’ erzeugt und eine Beziehung hergestellt? Diese Fragen untersucht ein interdisziplinäres Team aus Psychiatrie/Psychotherapie und Sprachwissenschaft mit dem Ziel, Therapeutinnen und Patientinnen durch Bereitstellung gezielter kommunikativer Strategien bei der Umstellung auf die neue Situation unterstützen zu können.

Das Projekt wird im Rahmen der Initiative „Language&Medicine“ durchgeführt.

Kontakt: Anke Maatz (Medizin)

Rechtswissenschaft: Übersicht über Data Sharing Praktiken und deren rechtlichen Konsequenzen

Zusammen mit Prof. Urs Gasser (Harvard Law School, Cambridge, USA) untersuchen Forscher*innen, welche "Data Sharing Practices" bzw. digitalen Tools (Software, Apps) entwickelt und von Ländern eingesetzt werden, um die Pandemie zu bekämpfen. Die Bandbreite reicht von "citizen empowerment" auf der einen Seite bis zur totalitären Überwachung auf der anderen Seite mit zahlreichen weiteren Möglichkeiten (oder Mischformen) dazwischen. Die Technologie ist dem Recht mehrere Schritte voraus und wirft (neue) Rechtsfragen auf. Es ist wichtig, diese neuen Technologien und deren Anwendung in einen rechtlichen Kontext zu setzen. Das Forschungsteam untersucht diese verschiedenen digitalen Modelle sowie deren Einsatz in verschiedenen Ländern (insbesondere: Schweiz, USA, Singapur) und entwickelt rechtliche Anforderungen und Rahmenbedingungen, die für den Einsatz solcher Technologien in der Schweiz (und potentiell anderen Ländern) massgebend sind. Es untersucht, welche Rolle der Staat beim Einsatz solcher Technologien einnehmen muss.

Kontakt: Kerstin Vokinger (Rechtswissenschaft)

Sprachwissenschaft: Rezeption der Kommunikation des Bundesrates in den Sozialen Medien

Der Lehrstuhl Deutsche Sprachwissenschaft von Noah Bubenhofer analysiert gegenwärtig den COVID-19-Diskurs. Das Interesse der Forscher konzentriert sich in erster Linie auf die Frage, wie die Kommunikation des Bundesrates rezipiert wird, indem grosse Datenmengen von Online-Kommentaren automatisch analysiert werden: Reagieren die Menschen mit Angst, Panik, Gleichgültigkeit, Zynismus, Unverständnis oder Verständnis? Zudem beobachtet das Team den Sprachgebrauch der verschiedenen Akteure: Welche Bezeichnungen und Sprachbilder verwenden sie? Dies gibt Rückschlüsse auf die verschiedenen Framing-Strategien.

Kontakt: Noah Bubenhofer (Germanistik)

Theologie: Religiöse Kommunikation in Zeiten von Corona

Ein interdisziplinäres Team um Thomas Schlag beobachtet und analysiert aktuell intensiv die digitalen Angebote, die die Kirchen in der Osterzeit und darüber hinaus in der anhaltenden Krise machen. Dies bezieht sich insbesondere auf Online-Gottesdienste, Seelsorge-und Bildungsangebote für den Religionsunterricht, aber auch auf Foren und persönlich-theologische Stellungnahmen von religiösen Influencer*innen angesichts der Krise.

Grundfrage ist hier zum einen, wie sich das Erscheinungsbild von religiöser Kommunikation und damit von kirchlicher Gemeinschaft in digitalen Zeiten verändert und zum Teil auch erheblich verstärkt. Zum anderen analysiert das Team, welche inhaltlichen Deutungen und religiösen Sinnstiftungen für den Umgang mit dieser Krise auf den verschiedenen Kanälen vorgenommen werden.

Kurz gesagt wird danach geforscht, ob und in welchem Sinn diese digitalen religiösen Deutungen eine öffentlich relevante Ressource für den individuellen und den gesellschaftlichen Umgang mit der Krise darstellen.

Kontakt: Thomas Schlag (Theologie)

Zahnmedizin: Beschwerdevisualisierung

Ganzheitliche Beschwerdevisualisierung dank Digitalisierung: Die "ausserordentliche Lage" aufgrund der SARS-Cov-2 verunmöglicht weitum das direkte (zahn)ärztliche Gespräch. Patienten sollten daher befähigt werden, von zuhause aus über ihre körperlichen Beschwerden und emotionalen Belastungen detailliert und strukturiert zu berichten. Behandelnde sollten ihrerseits in Kürze über die Therapiedringlichkeit und -ressourcen (Zeitbedarf, zuständige Fachkompetenz) entscheiden können und für telemedizinische Beratungen umfassende Angaben verfügbar haben. Zu diesem Ziel wurde im DSI-Netzwerk die webbasierte interdisziplinäre Symptomevaluation (WISE) entwickelt. Die anonymisierten WISE-Daten ermöglichen wissenschaftliche Analysen, z.B. zum Zusammenhang zwischen Schmerz und Wohlbefinden vor bzw. während der "Corona-Situation". Aktuell erforscht ein interdisziplinäres Team von Zahnärzten, Psychologen und Computerlinguisten Möglichkeiten zur semi-automatisierten Diagnostik mittels artifizieller Intelligenz, indem Informationen zu körperlichen und emotionalen Störungen aus dem Freitext der Beschwerdebeschreibung extrahiert werden.

Kontakt: Dominik Ettlin (Zentrum für Zahnmedizin)