Ehemalige Fellows

Prof. Dr. Naomi Baron

Dr. Naomi S. Baron war vom 16. bis 29. Oktober 2019 DSI Fellow. Während dieser zwei Wochen nahm sie an den folgenden Aktivitäten teil:

Vorträge und Meetings
Verankert wurde ihre Arbeit durch ein Kolloquium am UFSP Sprache und Raum ("Wayfaring on the Ground and Onscreen: What to Abandon, What to Embrace") und einen öffentlichen DSI-Vortrag ("Does Medium Matter for Learning? Lesen im Druck, auf dem Bildschirm und mit Audio"). Weitere Aktivitäten waren Treffen mit Kollegen zur Diskussion gemeinsamer Forschungsinteressen (Andreas Jucker, Christa Dürscheid, Volker Dellwo, Sara Fabrikant und DSI Fellow Lonneke van der Plas) und mit Doktoranden im UFSP Sprache und Raum. 

Mitarbeit bei der Forschungsprojektplanung
Zusammen mit Elisabeth Stark, Simone Ueberwasser und Marina Bondi (von der Universität Modena und Reggio Emilia) haben wir begonnen, ein Projekt zur Erforschung von Kommunikationsmöglichkeiten für ältere Menschen mit mobilen Geräten zu entwickeln. Aufbauend auf einem Citizen Science Modell soll die Initiative das Leben der Senioren im Raum Zürich verbessern, indem sie aktuelle Nutzungsmuster und -bedürfnisse identifiziert und dann Trainingsprogramme zur Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten entwickelt.

Fortschritte beim Neuerscheinungsbild
Der Rest meiner Zeit war dem Buch gewidmet, das ich schreibe, "How We Read Now: Effective Strategies for Print, Digital, and Audio". Als ich den einladenden Arbeitsplatz im Gebäude RAF in den letzten Tagen der Unterbringung der DSI genoss, ging ich sowohl beim Schreiben als auch bei der Konzeption späterer Kapitel voran.

Seit über einem Jahrzehnt untersuche ich die Rolle, die die Technologie beim Lesen spielt. Mein Buch aus dem Jahr 2015 "Words Onscreen: The Fate of Reading in a Digital World" untersuchte die Geschichte des Lesens, der Leseformate und -medien sowie die Ergebnisse meiner eigenen empirischen Studie über Praktiken und Präferenzen des Lesens im Printbereich gegenüber einem digitalen Gerät. Dieses Buch konzentrierte sich auf die Identifizierung der Vor- und Nachteile des Lesens auf jeder Plattform und zog die Forschung bis 2014 heran. Aber seitdem hat sich viel verändert, sowohl in der Forschungswelt als auch in der Bildungspraxis. Es gibt eine Vielzahl neuer Studien (insbesondere in Europa und Israel), die kognitive Unterschiede im Umgang der Studierenden mit den beiden Medien dokumentieren. Gleichzeitig sehen wir sowohl in der Sekundarstufe als auch in der Hochschulbildung eine zunehmende Verwendung von Audio- (oder audiovisuellen) Materialien anstelle von Texten sowie einen Marsch, bei dem papierbasierte standardisierte Tests durch reine digitale Tests ersetzt werden.

Die Zielgruppe für "How We Read Now" sind Pädagogen: Lehrer, Schulverwalter, politische Entscheidungsträger und Eltern. Das Buch fasst zeitgenössische Forschungsergebnisse zusammen, die die Grundlage für praktische Strategien zur Maximierung des Lernprozesses der Schüler beim Lesen in Print, Digital oder Audio bilden.

Ich bin der DSI dankbar für die Möglichkeit, in einer so angenehmen Atmosphäre an diesem Buch zu arbeiten.

Webseite: Prof. Dr. Naomi Baron

Dr. George Bruseker

Dr. George Bruseker war von April bis November 2019 DSI Fellow.

Forschung

Mein DSI-Stipendium wurde so strukturiert, dass ich die Arbeit an dem Projekt "Building a Semantic Foundation for Architectural Data Integration" unterstützen konnte. Ziel des Projektes ist es, an der Entwicklung von semantischen Modellen für die Bereiche Kunst und Architektur zu arbeiten, um Referenzmodelle für die Darstellung von fortgeschrittenen CH-Informationen so zu erstellen, dass nachhaltige und wiederholbare fortgeschrittene analytische Forschung zu verschiedenen Fragen in diesem Bereich unterstützt wird. Während die Wissenschaft zunehmend digitale Methoden und Formate zur Dokumentation analytischer Informationen zur Geschichte und Entwicklung von Kunst und Architektur in ihren materiellen und konzeptuellen Aspekten einsetzt, wird die Entwicklung gemeinsamer konzeptueller Modelle zur Darstellung dieser grundlegenden Forschungsdaten nicht ausreichend berücksichtigt. Solche gemeinsamen Repräsentationen sind jedoch nicht nur notwendig, um die Forschung in der Gegenwart zu unterstützen, sondern auch, um ihre Wiederverwendung in der Zukunft und die Möglichkeit ihrer Integration in andere Forschungsbereiche zu erleichtern. Meine Forschung zu diesem Thema im Rahmen dieses Fellowships konzentrierte sich auf die Frage, wie kreative Prozesse in Kunst und Architektur dargestellt und hinterfragt werden können. Als Teil eines größeren Diskurses zur Digitalen Gesellschaft spielt diese Forschung mit der Frage nach der Re-Demokratisierung von digitalen Assets und dem wiederverwendbaren und verständlichen Zugänglichmachen von Forschungswissen für Gesellschaft und soziale Akteure.

Meine Forschungsperiode begann im Mai und war so strukturiert, dass sie über den Sommer 2019 (Juni und Juli) weitgehend in Zürich stattfand und bis Dezember 2019 fortgesetzt wurde. Die Forschung im Bereich der konzeptionellen Modellierung erfordert den Zugang zu primären Dokumentationssystemen und eine enge Zusammenarbeit mit den Forschenden in der Domäne, um ihre Praxis der Datendokumentation und deren Bezug zu ihren Forschungsfragen zu verstehen. Die Ansiedlung am DSI ermöglichte eine enge Zusammenarbeit mit der SARI-Stipendiatin der Universität Zürich, Anais Guillem, und dem Team von SARI, um die Fallstudie des Heinz Isler-Archivs (https://www.sari.uzh.ch/en.html) zu bearbeiten. Ein Fallbeispiel aus der Architektur war für diese Forschung von ausserordentlichem Nutzen, da der architektonische Schaffensprozess die Interdisziplinarität, Mehrphasen- und Multiakteursnatur kreativer Prozesse in der Architektur im Besonderen, aber auch in der Kunst im Allgemeinen, aufzeigt. Darüber hinaus war ein Aufenthalt in Zürich selbst für meine Forschung sehr bereichernd und anregend. Er ermöglichte den Besuch der reichen Museumssammlungen in der Schweiz sowie der sehr aktiven und bereichernden Ausstellungsprogramme.

Diese Studienphase ermöglichte die gemeinsame Entwicklung eines semantischen Datenmodells, das das konzeptuelle Referenzmodell des CIDOC und das harmonisierte Submodell FRBRoo, eine Ontologie für bibliographische Daten, erweitert. Das aus dieser Forschung resultierende semantische Datenmodell, Creative Processes Representation (CPR), ist ein allgemeines Modell, das ontologische Klassen und Eigenschaften zur Beschreibung der Entwicklung eines künstlerischen Werkes im Laufe der Zeit bietet: vom Programm, über den Entwurf, die Ausführungsplanung und die Ausführung. 

Vorlesungen

Die wissenschaftliche Interaktion und die finanzielle Unterstützung durch die DSI unterstützte die kontinuierliche Arbeit an den Fragen der Erstellung wiederverwendbarer Modelle zur Darstellung von CH-Daten und ermöglichte es mir, im Zuge dieser Arbeit Vorträge zu diesem Thema zu erstellen und vor mehreren Zielgruppen zu halten. Diese umfassten:

7/6/2019 
"Semantische Referenzdatenmodelle", mit Nicola Carboni,
Bits and Bites Session, Vierter Schweizer Kongress für Kunstgeschichte 
Mendrisio, Schweiz

21/10/2019
"Einige Gedanken zu Sprechakten und historischer Modellierung" 
Workshop Historische Metadaten, Apollonis-Programm
ICS-FORTH
Heraklion, Griechenland

5/12/2019
"Modellierung der Modelle: Wie kann die semantische Repräsentation unsere Nutzung von Architekturarchiven verändern", mit Anais Guillem 
Universität Zürich, SARI / ETH Zürich 
Zürich, Schweiz

9/12/2019
"Formale Ontologien, das Semantic Web und CIDOC CRM: was sind das für Dinge und welche Bedeutung haben sie für die digitale Archäologie?
College-Jahr in Athen
Athen, Griechenland

3/4/2020
"Demokratisierung von Daten in der digitalen Gesellschaft: Wiedergewinnung einer kritischen Beziehung zu Informationen durch Semantik, mit einer Fallstudie zur Erforschung des kreativen Prozesses" [vorläufiger Titel]
Universität Zürich, Digital Society Initiative (DSI) 
Zürich, Schweiz

Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung

Zusätzlich zu den Arbeiten in der Schweiz konnte ich an mehreren internationalen Foren zur Nutzung von semantischen Daten teilnehmen, insbesondere an Gremien und Gruppen, die sich mit dem Aufbau von Werkzeugen zur Unterstützung des Zugangs zu Wissen durch semantische Daten beschäftigen. In diesen Kontexten konnte ich die laufende Forschung in Zürich einbringen, Feedback erhalten und zur internationalen Forschung und Entwicklung zu diesem Thema beitragen. Diese Outreach-Programme beinhalteten:

CIDOC CRM SIG (11.-14. Juni, BNF, Paris)
Linked Conservation Data (London, 12.-13. September 2019)
LinkedArt (Victoria und Albert, London; Universität Oxford, Oxford, 1.-4. Oktober 2019)
DONIPAT : École thématique "Données Interopérables pour le Patrimoine" (Aussois, Frankreich, 14.-18. Oktober 2019)
CIDOC CRM SIG (22-25 Okt., ICS-FORTH, Kreta)
Arches Resources Modeling Working Group (Getty Foundation, 19.-21. November 2019)

Im Jahr 2020 werde ich versuchen, die Ergebnisse der Forschung in internationalen Zeitschriften zu veröffentlichen.

Webseite: Dr. George Bruseker

Dr. Linda Di Geronimo

Dr. Linda Di Geronimo war von Mai bis August 2019 DSI Fellow und hat sich mit dem folgenden Thema befasst:

Dark Patterns (DPs) sind Benutzeroberflächen, die die Benutzer dazu verleiten, etwas zu tun, was sie nicht beabsichtigen. Unerwünschte Elemente in den Warenkorb zu legen, Nutzer zu manchmal teuren Abonnements hinzuzufügen oder doppelte Negative in Kontrollkästchen zu verwenden, sind nur einige der vielen DPs, die online gefunden werden können. Es gibt zwar Fälle, in denen Designer diese Muster nicht absichtlich einführen, sondern aus Unerfahrenheit und fehlendem Benutzertesten, sie haben aber oft klare bösartige Absichten.

DPs senken nicht nur die Benutzerfreundlichkeit drastisch, sondern können auch dazu führen, dass Benutzer personenbezogene Daten übermäßig teilen. Obwohl die Auswirkungen von DPs auf unsere Gesellschaft eindeutig relevant sind, gab es in der Forschungsgemeinschaft wenig Anstrengungen, wie dieses Problem am besten angegangen werden kann. Auch wenn das Konzept der Dark Patterns nicht neu ist, muss noch eine rigorose Untersuchung über ihr Ausmaß und ihre Auswirkungen auf den Benutzer durchgeführt werden. Um diese Lücke zu schließen, habe ich die Forschung zu diesem Thema angestoßen.

Dank der Unterstützung der Digital Society Initiative konnte ich DPs in aktuellen mobilen Anwendungen klassifizieren (N=240). Wir haben festgestellt, dass unter den getesteten Anwendungen 95% mindestens ein oder mehrere Dark Patterns enthalten. Die Klassifizierung erfolgte zuerst durch die Aufzeichnung von zehn Minuten exemplarischer Nutzung jeder App (insgesamt 40 Stunden Aufnahmen). Dann wurden jede UI und ihre Interaktion von zwei Forschern bewertet. Die Forscher folgten einer zuvor entwickelten Taxonomie und notierten jedes bösartige Design und seine Kategorie. Wir werden die Klassifizierung in Kürze zusammen mit dem endgültigen Datensatz auf dieser Website zur Verfügung stellen: https://lindig11.github.io/ldg/.

Darüber hinaus erstellen wir zusammen mit Ethix eine Liste von Richtlinien für eine ethischere digitale Benutzererfahrung. Ziel dieser Phase ist die Entwicklung eines Labels zur Bewertung von Web- und mobilen Anwendungen mit einer ethischen Perspektive.

Webseite: Dr. Linda Di Geronimo

Prof. Dr. Martin Dusinberre

Martin Dusinberre arbeitete als DSI Fellow im Herbstsemester 2019 an seinem kurz vor dem Abschluss stehenden Digital History Projekt, gefördert durch den Schweizerischen Nationalfond.

Lives in Transit ist ein Tool um Global History im digitalen Zeitalter sowohl zu erzählen als auch zu unterrichten. Es bietet Historikerinnen und Historikern ein Model, um ihre Forschung in Form eines ernsthaften Games zu präsentieren. Das Game selber simuliert dabei lebensechte Forschungserfahrungen für BA- und MA-Studierende. Im Gegensatz zu konventionellen akademischen Formaten wie dem Essay, dem Kapitel oder der Monografie erlaubt das Game Autorinnen und Autoren nicht-lineares Storytelling und die Erschaffung von parallelen und multidirektionalen Narrativen. Durch Gamifizierung lädt Lives in Transit ein, das Zustandekommen eines Teils von global historischer Forschung zu erfahren und innovative Wege zur Aufzeichnung und zum Mapping des kreativen Prozesses auszuprobieren. Zur gleichen Zeit werden die Spielenden zur Reflektion über die Art und Weise des Forschungsprozesses in einer digitalen Welt ermutigt. Mit dem starken Fokus auf die heutige akademische Forschungsumgebung zeigt es auch die ungleiche Verteilung von Forschungsmitteln und sogar Online-Quellen auf; allesamt Probleme, die auch Teil grösserer Debatten über den Zugang zur „Digital Society“ sind. Lives in Transit ist ein Open Source Projekt und das Resultat einer langen Kollaboration zwischen Professor Dr. Dusinberre, der Abteilung S3IT der Universität Zürich und privaten Partnerfirmen. Der Prototyp wurde 2017 entwickelt und getestet; das Game selber wurde im Herbst 2019 getestet und soll im Frühling 2020 an den Start gehen.

Webseite: Prof. Dr. Martin Dusinberre

Dr. Sarah Ebling

Dr. Sarah Ebling war von Januar bis September 2019 DSI Fellow und hat sich mit dem folgenden Thema befasst:

Auf dem Weg zur automatischen Textvereinfachung für Deutsch

Während die digitale Transformation für viele Menschen einen positiven Wandel bewirkt hat, hat sie auch zusätzliche Barrieren geschaffen. So stellt beispielsweise die Tatsache, dass durch die Digitalisierung immer mehr Informationen in schriftlicher Form vermittelt werden, ein Hindernis für Menschen mit eingeschränkter Lesefähigkeit dar. Leichte Sprache kann diesen Personen den Zugang zu Informationen und Kommunikation ermöglichen. Eine solche Sprachvarietät zeichnet sich durch reduzierte lexikalische und syntaktische Komplexität, das Hinzufügen von Erklärungen für schwierige Wörter und ein klar strukturiertes Layout aus.

Die automatische Herstellung leichter Sprache ist für Sprachen wie Englisch, Spanisch, Portugiesisch usw. bereits einigermassen gut erforscht. Fürs Deutsche hingegen existieren nahezu keine Arbeiten. Ziel des Fellowships „Towards a Scalable, Multimodal Automatic Text Simplification System for German“ war es deshalb, die Voraussetzungen für die Entwicklung eines automatischen Textvereinfachungssystems für das Deutsche zu schaffen.

Konkreter Output des Fellowships sind zwei parallele Korpora, die als Datensammlung für automatische Textvereinfachung via neuronale maschinelle Übersetzung dienen werden (Battisti and Ebling, 2019). Erste Experimente in dieser Richtung laufen bereits. Am Institut für Computerlinguistik hat zudem ein Doktorand seine Forschungsarbeit zu monolingualer Satzalignierung aufgenommen, die eine Grundlage für die Nutzbarkeit von parallelen Dokumenten für die neuronale maschinelle Übersetzung darstellt.

Da eines der beiden Korpora, die im Rahmen des Fellowships aufgebaut wurden, aus Nachrichtenmeldungen besteht, entstand ein Austausch mit Prof. Dr. Anne Scherer, Prof. Dr. Thomas Friemel und Prof. Dr. Chat Wacharamanotham im Rahmen eines Projektes, das sich u.a. mit einer digitalen Infrastruktur für Nachrichtentexte beschäftigt.

Im laufenden Herbstsemester 2019 führe ich zudem ein Seminar „Automatische Textvereinfachung“ durch (zusammen mit Prof. Dr. Martin Volk). Im Frühjahrssemester 2020 biete ich, angeregt durch den Austausch an der DSI, ein Seminar „Language Technology in the Context of Artificial Intelligence“ an.

Das Fellowship bot daneben Gelegenheit für eine Vernetzung mit anderen Fellows und Mitgliedern des DSINetzwerks. Mit Prof. Dr. Eva Weber-Guskar führte ich im Rahmen der Scientifica 2019 ein „Science Café“ mit dem Titel „Kann ein Computersystem denken?“ durch. Mit Prof. Dr. Adrian Hehl (Vetsuisse-Fakultät) entstand ein Antrag für ein Lehrkredit-Projekt.

Webseite: Dr. Sarah Ebling

Prof. Dr. Thomas Friemel

Prof. Dr. Thomas Friemel arbeitete im FS18 und HS18 an der DSI an 3 Projekten:

Communicative Challenges in Digital Societies

Sowohl die öffentliche als auch die private Kommunikation haben sich durch die Digitalisierung entscheidend verändert. Die Ringvorlesung der Digital Society Initiative in Zusammenarbeit mit dem IKMZ thematisierte aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven die wichtigsten Chancen und Herausforderungen, welche sich für die Gesellschaft durch diese Veränderungen ergeben. Diskutiert wurde unter anderem, welchen Einfluss neue Formen von Online-Propaganda und Fake News auf politische Debatten haben, wie sich Online-Plattformen juristisch regulieren lassen, mit welchen Strategien sich Medienunternehmen in den veränderten Marktbedingungen behaupten können, wie Kinder und Jugendliche einen positiven Umgang mit dem Internet erlernen und inwiefern Roboter helfen können, Personen mit Behinderung am sozialen Austausch teilnehmen zu lassen. Thematisiert wurde aber auch der Einfluss der Digitalisierung auf die wissenschaftliche Forschung. Digitale Spuren der Internetnutzung und elektronische Geräte wie das Smartphone ermöglichen den Forschern neuartige Einblicke in das Kommunikations- und Beziehungsverhalten der Menschen. Gleichzeitig sind diese Datenquellen mit zahlreichen Problemen verbunden, welche von ethischen und juristischen Aspekten bis hin zur Frage reichen, wofür die digitalen Spuren überhaupt stehen. Alle Vorträge der DSI-Ringvorlesung wurden gefilmt und sind auf der DSI-Website abrufbar. 

Protection of Children Online

Vor dem Hintergrund der sich zunehmend entwickelnden digitalen Landschaft und der damit verbundenen Risiken für Kinder und Jugendliche tauschten sich 60 Experten aus der ganzen Welt zu Fragen wie z.B. “welche neuen Online-Risiken entstehen in einer digitalen Landschaft“ oder „welche kritischen digitalen Fähigkeiten sind erforderlich, um das Risikobewusstsein von Kindern und Jugendlichen zu stärken“. Im Workshop wurden die Grundlagen diskutiert, auf denen die neuen Empfehlungen der OECD aufbauen sollen. 

Digital Health Communication

Sowohl Kommunikation als auch Gesundheit wurden im Rahmen der DSI als relevante Challenge Areas identifiziert. Dies deutet darauf hin, dass an der UZH zum einen die notwendige kritische Masse an Wissenschaftlern und zum anderen ein strategisches Interesse besteht, in diesen Feldern eine führende Rolle zu übernehmen. Das erklärte Ziel der DSI ist es, nicht nur die Forschung und interdisziplinäre Kooperation an der UZH zu stimulieren, sondern die daraus entstehende Expertise auch in die Gesellschaft zu vermitteln und den Praxistransfer zu unterstützen. Die Entwicklung eines CAS in Digital Health Communication hat genau dies zum Ziel. Die Identifizierung und Spezifizierung relevanter Themenbereiche und der darin bestehenden Expertise an der UZH wird zum einen die Vernetzung der Forschenden verstärken. Zum anderen wird durch die Vermittlung des Knowhows ein Beitrag für die Entwicklung der digitalen Gesellschaft geleistet und die führende Rolle der UZH dabei verdeutlicht.

Webseite: Prof. Dr. Thomas Friemel

Dr. Alfred Früh

Dr. Alfred Früh war im Jahr 2019 DSI-Fellow und hat während dieser Zeit schwerpunktmässig untersucht, wie das Patentrecht durch technologische Entwicklungen herausgefordert wird. Im Vordergrund stand die Frage des Umgangs mit durch Maschinen gemachten «Erfindungen». Maschinen entwickeln immer häufiger beinahe autonom technische Lösungen sind damit «erfinderisch» tätig, obwohl das Recht von menschlichen Erfindern ausgeht. Angesichts dieses Widerspruchs wird relevant, wie sich die (nach aussen hin vollkommen intransparente) Aufgabenteilung zwischen Mensch und Maschine im Einzelfall tatsächlich gestaltet und woran das Recht bei der Gewährung von Patenten richtigerweise anknüpfen soll. Die Untersuchung (welche demnächst publiziert wird) legt nahe, den Erfinderbegriff auf unternehmerische Einheiten auszuweiten und die überkommenen Elemente eines Erfinderpersönlichkeitsrechts aus dem Patentrecht zu verbannen, um letztlich mehr Transparenz darüber zu schaffen, wer tatsächlich erfinderisch tätig ist, bzw. war.
 
Dieses Thema steht im Kontext eines breiter angelegten Habilitationsprojekts, das den rechtlichen Umgang mit Transparenz in der Digitalwirtschaft untersucht.

Webseite: Dr. Alfred Früh

Prof. Dr. Fabrizio Gilardi

Während des DSI Fellowships, das ich im Frühjahr- und Herbstsemester 2019 abhielt, konnte ich viel Zeit und Mühe in den Aufbau des Digital Democracy Lab (https://digdemlab.io) investieren, das eine Schlüsselkomponente der DSI Challenge Area Democracy darstellt. Das Digital Democracy Lab ist jetzt voll funktionsfähig. Es besteht aus einer Forschungsinfrastruktur, die in der Lage ist, eine grosse Menge Daten mit einem hohen Grad an Automatisierung zu sammeln, vorzubereiten, zu speichern und zu analysieren. Die Infrastruktur wird auf der Rechen- und Speicherinfrastruktur der UZH gehostet, die die Verschlüsselung und den Schutz der Daten gewährleistet. Diese Datenbank umfasst beispielsweise Millionen von Social Media-Posts im Zusammenhang mit den eidgenössischen Wahlen, 10 Millionen Zeitungsartikel von 86 Schweizer Nachrichtenorganisationen, über 40'000 Pressemitteilungen von Schweizer Parteien, Regierungsvertretern und Interessengruppen sowie vollständige Transkriptionen von rund 500 Ausgaben der wichtigsten politischen Talkshows der Schweiz. Diese Datensätze werden laufend aktualisiert und können je nach den Bedürfnissen der Forschenden auch für politische und mediale Quellen ausserhalb der Schweiz erweitert werden. Um internationale Kooperationen zu etablieren, haben wir einen Aufruf zur Vergabe von Stipendien für Nichtansässige veröffentlicht (https://digdemlab.io/docs/DigDemLab_call_fellowships.pdf). Des Weiteren haben wir einen Call for Papers für einen DSI Challenge Area-Workshop am 20. Mai 2020 veröffentlicht, den wir nun leider aufgrund von COVID-19 verschieben mussten (neues Datum wird noch festgelegt). Ein zweiter, internationaler Workshop ist für den 5. bis 6. November 2020 geplant. Insgesamt hat das DSI Fellowship eine wichtige Rolle bei der Initiierung des Digital Democracy Lab gespielt. Ich bin dem DSI für seine Unterstützung dankbar.

Webseite: Prof. Dr. Fabrizio Gilardi

Prof. Dr. Miguel Gonçalves Meira e Cruz

Prof. Dr. Miguel Gonçalves Meira e Cruz hat Zürich und die DSI im August 2018 besucht, um mit Dr. med. Dominik Ettlin zusammenzuarbeiten.

DSI Fellowships zur portugiesischen Übersetzung der web-basierten interdiszipli-nären Symptom Evaluation1 (WISE) und damit zur Förderung der transkulturellen Sammlung von „big data“ zum besseren Verständnis von Risikofaktoren für oro-faziale Schmerzen

Die patientenorientierte Erfassung von Behandlungsresultaten (“outcome measures“) wird in di-versen medizinischen Bereichen zunehmend wichtiger. Der Bedarf einer umfassenden Einschät-zung von Schmerzpatienten wird u.a. durch das wegweisende Bundesgerichtsurteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 unterstrichen. Es verlangt von der Ärzteschaft, dass bei der Einschätzung des funktionellen Schweregrads von unklaren Beschwerdebildern psychosoziale und soziokulturelle Faktoren vermehrt berücksichtigt werden. Unsere Gruppe hat kürzlich ein web-basiertes Instru-ment zur strukturierten interdisziplinären Befragung von Personen mit Schmerzerkrankungen entwickelt . Gegenüber Papierfragebögen ermöglicht die moderne Informationstechnologie, Be-fragungen gemäss Konzepten des “computerized adaptive testing” (CAT) aufzubauen. Dabei kön-nen symptomorientierte Checklisten (qualitative Symptomerfassung) bedarfsabhängig mit weiter-führenden Fragebögen zur quantitativen Symptomerfassung gekoppelt werden („case-finding in-struments“). Die WISE ermöglicht Klinikern eine erste Einschätzung der Symptombelastung. Gleichzeitig liefert sie mittels valider Fragbögen und auf Basis automatisierter Algorhythmen Hinweise auf abklärungsbedürftige Verdachtsdiagnosen im somatischen und psychischen Bereich. Nebst dieser personalisierten Triage können anonymisierte Daten für Forschungszwecke gespei-chert werden. Das Instrument ermöglicht eine personalisierte Medizin, erleichtert die interprofessi-onelle Ausbildung und Zusammenarbeit und unterstützt multizentrische Studien.

Mittlerweile haben fast 1‘000 Patienten der interdisziplinären Schmerzsprechstunde (Leitung PD Dr. Dr. D. Ettlin) am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich vor ihrer Erstkonsultation die WISE ausgefüllt. Die Datenanalyse im Rahmen von Forschungsprojekten läuft und Manuskripte sind bei wissenschaftlichen Zeitschriften eingereicht oder in Vorbereitung. Um die Übersetzung der WISE zur Anwendung auch in Brasilien und Portugal zu ermöglichen, hat das DSI Direktori-um den beiden Fellows Prof. Antônio Sérgio Guimarães (Universität Leopoldo Mandic in Campi-nas, Brasilien) und Prof. Miguel Gonçalves Meira e Cruz (Universität von Lissabon, Portugal) im August 2018 Kuraufenthalte in Zürich ermöglicht. Mit eigener Finanzierung kam Prof. Kanokporn Bhalang (Chulalongkorn Universität in Bangkok, Thailand) hinzu. Das Dreier Team arbeitete während 7 Tagen intensiv an der Übersetzung der Software und die Übersetzungsarbeiten  konn-ten entsprechend im vorgegebenen Zeitrahmen erfolgreich abgeschlossen werden. Nach getaner Arbeit gesellten sich die Familienmitglieder dazu (Foto). 

Team orofacial painLinks nach rechts: S. Guimaraes, Ray (Ehemann von N. Bhalang), Maria (Tochter von M. Meira e Cruz), Ruth (Mutter von M. Meira e Cruz), M. Meira e Cruz, N. Bhalang, D. Ettlin 

Webseite: Prof. Dr. Miguel Gonçalves Meira e Cruz

Dr. Andrew M. Guess

Trotz der unerwarteten Hindernisse, die das Coronavirus für den wissenschaftlichen Austausch mit sich brachte, ermöglichte mir mein Aufenthalt an der DSI wichtige Fortschritte bei Projekten, die mit der Mission der Initiative in Zusammenhang stehen.

Insbesondere bot mir meine Zeit bei der DSI den Raum und das Feedback, um zwei Paper zum Thema digitale Kompetenz und Online-Fehlinformation zu erstellen. Im ersten versuchen Kevin Munger und ich, das Konzept der digitalen Kompetenz zu klären und zu untersuchen, wie es am besten gemessen werden kann. Wir sprechen auch über praktische Herausforderungen für Sozialwissenschaftler, die daran interessiert sind, zu untersuchen, wie digitale Kompetenz mit Ergebnissen zusammenhängt, die uns wichtig sind. Eine der Erhebungsmassnahmen, die wir untersuchen, wurde ursprünglich von Eszter Hargittai, einem Mitglied des DSI Netzwerks, entwickelt. Es war ein Privileg, mit ihr persönlich über das Projekt sprechen zu können. Ich hatte auch das Glück, hilfreiches Feedback in einem DSI Brown Bag Lunch und einem Fellows Exchange Day zu erhalten.

In diesem Zusammenhang beendete ich während meiner Zeit bei der DSI ein Projekt darüber, wie Interventionen zur digitalen Medienkompetenz in sozialen Medien den Menschen helfen können, "gefälschte Nachrichten" im Internet zu erkennen. Dieses Paper wurde kürzlich in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht und löste zahlreiche Diskussionen über unsere Ergebnisse aus. Insbesondere stellten wir fest, dass "Tipps", wie man gefälschte Nachrichten erkennen kann, die Unterscheidung zwischen falschen und allgemeinen Nachrichtenbeiträgen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Indien messbar verbessern können.

Schließlich konnte ich mehrere neue Projekte auf den Weg bringen, an denen ich weiterhin arbeite. So habe ich zum Beispiel eine Studie über den Umgang mit Online-(Fehl-)Informationen im Zusammenhang mit Covid-19 und die Wirksamkeit offizieller Korrekturen von Fehleinschätzungen der Menschen im Zusammenhang mit dem Ausbruch begonnen. Ich freue mich darauf, die DSI über die Entwicklung dieses Projekts auf dem Laufenden zu halten!

Webseite: Andrew M. Guess

Prof. Dr. Antônio Sérgio Guimarães

Prof. Dr. Antônio Sérgio Guimarães war im August 2018 als DSI Fellow an der UZH zu Gast, um mit Dr. med. Dominik Ettlin zusammenzuarbeiten.

DSI Fellowships zur portugiesischen Übersetzung der web-basierten interdiszipli-nären Symptom Evaluation1 (WISE) und damit zur Förderung der transkulturellen Sammlung von „big data“ zum besseren Verständnis von Risikofaktoren für oro-faziale Schmerzen

Die patientenorientierte Erfassung von Behandlungsresultaten (“outcome measures“) wird in di-versen medizinischen Bereichen zunehmend wichtiger. Der Bedarf einer umfassenden Einschät-zung von Schmerzpatienten wird u.a. durch das wegweisende Bundesgerichtsurteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 unterstrichen. Es verlangt von der Ärzteschaft, dass bei der Einschätzung des funktionellen Schweregrads von unklaren Beschwerdebildern psychosoziale und soziokulturelle Faktoren vermehrt berücksichtigt werden. Unsere Gruppe hat kürzlich ein web-basiertes Instru-ment zur strukturierten interdisziplinären Befragung von Personen mit Schmerzerkrankungen entwickelt . Gegenüber Papierfragebögen ermöglicht die moderne Informationstechnologie, Be-fragungen gemäss Konzepten des “computerized adaptive testing” (CAT) aufzubauen. Dabei kön-nen symptomorientierte Checklisten (qualitative Symptomerfassung) bedarfsabhängig mit weiter-führenden Fragebögen zur quantitativen Symptomerfassung gekoppelt werden („case-finding in-struments“). Die WISE ermöglicht Klinikern eine erste Einschätzung der Symptombelastung. Gleichzeitig liefert sie mittels valider Fragbögen und auf Basis automatisierter Algorhythmen Hinweise auf abklärungsbedürftige Verdachtsdiagnosen im somatischen und psychischen Bereich. Nebst dieser personalisierten Triage können anonymisierte Daten für Forschungszwecke gespei-chert werden. Das Instrument ermöglicht eine personalisierte Medizin, erleichtert die interprofessi-onelle Ausbildung und Zusammenarbeit und unterstützt multizentrische Studien.

Mittlerweile haben fast 1‘000 Patienten der interdisziplinären Schmerzsprechstunde (Leitung PD Dr. Dr. D. Ettlin) am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich vor ihrer Erstkonsultation die WISE ausgefüllt. Die Datenanalyse im Rahmen von Forschungsprojekten läuft und Manuskripte sind bei wissenschaftlichen Zeitschriften eingereicht oder in Vorbereitung. Um die Übersetzung der WISE zur Anwendung auch in Brasilien und Portugal zu ermöglichen, hat das DSI Direktori-um den beiden Fellows Prof. Antônio Sérgio Guimarães (Universität Leopoldo Mandic in Campi-nas, Brasilien) und Prof. Miguel Gonçalves Meira e Cruz (Universität von Lissabon, Portugal) im August 2018 Kuraufenthalte in Zürich ermöglicht. Mit eigener Finanzierung kam Prof. Kanokporn Bhalang (Chulalongkorn Universität in Bangkok, Thailand) hinzu. Das Dreier Team arbeitete während 7 Tagen intensiv an der Übersetzung der Software und die Übersetzungsarbeiten  konn-ten entsprechend im vorgegebenen Zeitrahmen erfolgreich abgeschlossen werden. Nach getaner Arbeit gesellten sich die Familienmitglieder dazu (Foto). 

Team orofacial painLinks nach rechts: S. Guimaraes, Ray (Ehemann von N. Bhalang), Maria (Tochter von M. Meira e Cruz), Ruth (Mutter von M. Meira e Cruz), M. Meira e Cruz, N. Bhalang, D. Ettlin 

Webseite: Prof. Dr. Antônio Sérgio Guimarães

Prof. Dr. Christian Hauser

Prof. Dr. Christian Hauser arbeitete von Juni bis Dezember 2019 an der DSI an folgendem Projekt:

In der Kommunikations- und Medienwissenschaft beschreibt Framing den Prozess, mit dessen Hilfe Themen und Ereignisse in Interpretationsmuster eingeordnet werden. Gemäss Entman (1993) erfüllen Frames zwei Funktionen. Zum einen dienen sie dazu, bestimmte Aspekte der Realität auszuwählen und zum anderen sollen diese Aspekte in der Kommunikation mit bestimmten Problemdefinitionen, Interpretationen, moralischen Bewertungen oder Handlungsanweisungen verbunden werden.
Seit einigen Jahren steht der Begriff «Big Data» stellvertretend für die einschneidenden Veränderungen, die die zunehmende Durchdringung der Gesellschaft mit digitalen Technologien mit sich bringt. Eine präzise Definition des Begriffs gibt es zwar noch nicht. Er verdeutlicht aber, dass heutzutage auf einfache Weise grosse Mengen sehr unterschiedlicher Daten erfasst, gespeichert und analysiert werden können. Nicht nur Computer, Smartphone und tragbare Sensoren, sondern auch Autos, Haushaltsgeräte, Maschinen und Gebäude generieren dank eingebetteter Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) routinemässig eine grosse Menge an Daten.
Das Projekt geht der Frage nach, welche Frames in Schweizer und US-amerikanischen Zeitungen in der Debatte über das Thema «Big Data» verwendet werden. Hierzu werden die Chancen und Risiken identifiziert, die in den Zeitungsdiskursen in der Schweiz und den USA mit dem Thema «Big Data» verbunden und kommunikativ dargestellt werden. Hierbei sollen zum einen die Unterschiede herausgearbeitet werden, die in den Zeitungsdiskursen der beiden Länder bestehen und zum anderen soll beleuchtet werden, wie sich die Frames zu «Big Data» in den zurückliegenden Jahren verändert haben. Ferner soll untersucht werden, welche Unternehmen und Branchen die Berichterstattung zu «Big Data» prägen und wie die unternehmerische Anwendung von «Big Data» ethisch bewertet wird.

Webseite: Prof. Dr. Christian Hauser

Prof. Dr. Christoph Heitz

Prof. Dr. Christoph Heitz war von April 2019 bis März 2020 DSI Fellow und arbeitete zusammen mit Ethikern der DSI am Projekt 

Algorithmic Fairness und Ethik der kommerziellen Datennutzung 

Beim Thema Algorithmic Fairness geht es um Algorithmen, die beispielsweise individualisierte Versicherungsprämien berechnen, personalisierte Informationsversorgung gestalten, predictive policing steuern, oder Bewerberselektion mittels künstlicher Intelligenz realisieren. Solche Algorithmen werden heute in zunehmendem Masse eingesetzt, und sie greifen damit spürbar in das soziale Gefüge ein. 

Die Fragestellung des DSI-Projektes war: Wie können Algorithmen konstruiert werden, die die den ethischen Erwartungen an Fairness, Gerechtigkeit und Nicht-Diskriminierung von Kunden, Mitarbeitern und Gesellschaft entsprechen? Die Beantwortung dieser Frage erfordert eine Kombination von ethischem Diskurs (Was genau meinen wir, wenn wir von Fairness oder Gerechtigkeit sprechen?) und Technologie (Wie baut man faire Entscheidungsalgorithmen? Wie kann Fairness-by-Design technisch realisiert werden?). 

Als Resultat des DSI-Fellowships konnte im NRP77-Programm des SNF ein gemeinsames Projekt mit den DSI-Members Markus Christen, Michele Loi und Aniko Hannak gestartet werden («Socially acceptable AI and fairness trade-offs in predictive analytics»).  

Im etwas allgemeineren Kontext von Datenethik geht es um die Entwicklung von ethischen Richtlinien für die kommerzielle Nutzung von Daten im Rahmen von datenbasierten Dienstleitungen. Unter der Leitung von Christoph Heitz, Markus Christen und Michele Loi erarbeitete eine Projektgruppe aus Wissenschaftlern und Firmenvertreten einen «ethischen Kodex für kommerzielle Datennutzung», dessen definitive Fassung im Herbst 2020 veröffentlicht werden wird. Eine erste Version ist hier verfügbar. Diese Aktivitäten fanden im Rahmen der Swiss Alliance for Data-Intensive Services statt und wurden von der Innosuisse finanziert. 

Video auf Youtube

Webseite: Prof. Dr. Christoph Heitz

Dr. Juliane Lischka

Dr. Juliane Lischka war in den Semestern FS18 und HS18 DSI Fellow und arbeitete am Projekt "About Black Sheep and Sheeple - Deviant Agents, Counterknowledge, and the Good Information Society".

Gedanken provozierend oder Bullshit? Glaubwürdigkeitshinweise von Verschwörungstheorien

In einer Zeit epistemischer Instabilität (Harambam, 2017) sind Verschwörungstheorien ein häufiges Thema in Online-Debatten (Wood & Douglas, 2015). Verschwörungstheorien sind auf Plattformen wie YouTube leicht zu verbreiten und zugänglich und haben eine lange Online-Lebensdauer (Del Vicario et al., 2016). 

Dieses Projekt zielte darauf ab, ein Glaubwürdigkeits-Cue-Modell für Verschwörungstheorie-Videos zu entwickeln. Die Glaubwürdigkeit von Online-Informationen hängt stark von den Merkmalen Quelle, Nachricht, Autor und Empfänger ab (Metzger & Flanagin, 2015). Für Videos wird der Produktionswert als eine relevante Glaubwürdigkeitsdimension angesehen (Cummins & Chambers, 2011). 

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass sich die Befragten in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Verschwörungstheorie weitgehend auf diese Glaubwürdigkeitshinweise beziehen, sie aber auch um zwei wirkungsbezogene Aspekte erweitern: (1) Auswirkungen auf das persönliche Nutzerverhalten und (2) Auswirkungen auf andere. In Bezug auf den ersten Aspekt argumentieren die Befragten, dass ihre Absicht, einer Verschwörungstheorie in der persönlichen Kommunikation nachzugehen oder sie zum Nachdenken anregend zu finden, ihre Glaubwürdigkeitsbewertung der Verschwörungstheorie beeinflusst. In Bezug auf den zweiten Aspekt, ist für ihre Glaubwürdigkeit-Bewertung relevant, ob die Wahrnehmung einer Verschwörungstheorie als populär und "sticky" empfunden wird. Die auf einem experimentellen Untersuchungsdesign basierenden Ergebnisse zeigen jedoch, dass beim Betrachten eines Videos einer Verschwörungstheorie lediglich die Zuverlässigkeit und der Informationswert des Hosts eine Rolle für die Glaubwürdigkeitsbewertung spielen. Das heißt, die Befragten bewerten weitgehend Verschwörungstheorien, die auf journalismusähnlichen Genauigkeitsstandards basieren. 

Darüber hinaus stehen die Zuverlässigkeit des Hosts und der Informationswert im Zusammenhang mit den Verhaltensabsichten der Befragten, wie z.B. die gemeinsame Nutzung des Videos mit einem Freund. So werden genau erscheinende Verschwörungstheorien weiter verbreitet, was ihre Online-Lebensdauer verlängert. Eine höhere Glaubwürdigkeitsbewertung von Verschwörungstheorie-Videos entspricht auch der Absicht, mehr Skepsis gegenüber Regierung und Medien zu zeigen, was auf einen Rückgang des Vertrauens in gesellschaftliche Institutionen hindeutet.

Webseite: Dr. Juliane Lischka

Dr. Julian Mausbach

Dynamische elektronische Einwilligung und De-Anonymisierung

Digitalisierung beim Einbezug von Personen und Gesundheitsdaten in die Forschung

Der erste Bereich des Projekts ist der Frage gewidmet, ob der selbstbestimmte (gewollte) Einbezug in die Forschung durch Digitalisierung des Einwilligungsprozesses günstiger gestaltet werden kann. Dabei ist inhaltlich vor allem die Dynamisierung des Prozesses Gegenstand der Untersuchung. Bezüglich formaler Gesichtspunkte wird der Fokus auf die Frage gelegt, ob der Prozess insgesamt elektronisch ausgestaltet werden kann.

Der zweite Bereich des Projekts nähert sich dem Einbezug in die Forschung sozusagen aus der Gegenrichtung. Er ist dem ungewollten Einbezug gewidmet und stellt nicht Gestaltungsmöglichkeiten, sondern Gestaltungsnotwendigkeiten aufgrund Digitalisierung in den Fokus. Konkret geht es um die Frage, ob die durch Digitalisierung mögliche De-Anonymisierung von Forschungsdaten dazu führt, dass eine re-identifizierte Person daraus Rechte ableiten kann bzw. für die Forschenden hierdurch Pflichten entstehen.

Webseite: Dr. Julian Mausbach

inside IT Artikel: Einwilligung in Forschung ist keine Einbahn­strasse!

Prof. Dr. Matthias Mehl

Prof. Dr. Matthias Mehl war im Juli 2018 zu Gast an der DSI und im UFSP Dynamik Gesunden Alterns:

Das Hauptprojekt, das ich während meines DSI Fellowships verfolgt habe, war, Wege zu finden, wie die über den uTrail gesammelten Umgebungshörproben in aussagekräftige Indikatoren für die tägliche soziale Aktivität umgewandelt werden können. Wir haben kürzlich ein Paper in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht, das zeigt, dass die einfache Metrik "Prozentsatz der Zeit im Gespräch" ein robuster Verhaltensmarker für das Wohlbefinden ist (Milek et al., 2018). In einem ersten Schritt wäre es dann wichtig, Wege zu entwickeln, um automatisch und präzise Sprachaktivitätsinformationen aus dem Umgebungsaudio zu extrahieren. Weitere interessante Indikatoren für Kandidaten könnten emotionale Ausdrücke (z.B. Lachen, Seufzen, Weinen) sein, die von den Umgebungs-Audioaufnahmen aufgenommen werden, sowie gängige tägliche Aktivitäten wie Fernsehen, Kochen und Essen, Pendeln usw. Interessanterweise ist diese Aufgabe, die derzeit die dringlichste bei der Analyse der mit dem uTrail gesammelten Daten ist, auch eine hochaktuelle Aufgabe und ein schnell voranschreitendes Forschungsgebiet im Bereich der Informatik. 

Das Gebiet der Verhaltens- und Sprachsignalverarbeitung von naturalistischen Audioaufnahmen ist dabei, sich zu einem lebendigen Forschungsgebiet zu entwickeln. In diesem Jahr veröffentlichte eine Forschergruppe um Dan Ellis, einen ehemaligen Professor an der Columbia University, der inzwischen auf Google umgestiegen ist, ein wegweisendes Handbuch, das die Computational Analysis of Sound Scenes and Events (Virtanen, Plumbley, & Ellis, 2018) als aktives Forschungsgebiet mit großem Potenzial für bedeutende wissenschaftliche Beiträge in den Bereichen Informatik und Elektrotechnik etabliert. Der Zweck dieses Feldes ist es, die Audiosignalverarbeitung auf das Niveau anderer "Geschwister"-Bereiche wie die visuelle Signalverarbeitung (z.B. Gesichts- und Objekterkennung) zu heben. Derzeit hat das Forschungsfeld Schwierigkeiten, realistische Datenquellen zu identifizieren, die von Natur aus wichtig sind und die Art von "rauschintensiven" Daten liefern, wie man sie im Alltag findet. Ein aktueller Versuch, Google AudioSet (Gemmeke, Ellis, et al., 2017), hat sich auf gesampelte Ausschnitte von YouTube-Clips konzentriert, die realistisch sind, aber wohl nur einen begrenzten, dünnen Ausschnitt des täglichen gesellschaftlichen Lebens der Menschen erfassen. Was dem Forschungsgebiet derzeit fehlt, ist (1) eine Datenbank mit naturalistischen, realitätsnahen Audioereignissen, die das gesamte Spektrum des gelebten Alltags abdeckt und mit der Computermodelle zur Klassifizierung einer Reihe von verhaltensrelevanten Schallereignissen (z.B. Reden, Lachen, Seufzen, Essen) trainiert werden können, und (2) eine Datenbank mit solchen Audioereignissen, die für "Ground Truth"-Variablen kommentiert ist. 

Mit den Daten, die derzeit über das uTrail-Gerät im Rahmen eines großen laufenden Projekts zum Thema gesundes Altern an der UFSP gesammelt werden (200 Teilnehmer tragen das Gerät 4 Wochen lang), haben wir Zugang zu einer umfangreichen Datenbank (zehntausende von Soundbites) mit realen Ambient-Audio-Clips, die repräsentativ aus dem täglichen Leben aller Teilnehmer gesampelt werden, von morgens bis abends, Montag bis Sonntag. Und im Rahmen der bestehenden langjährigen Zusammenarbeit zwischen Dr. Martin und mir steht uns eine sehr große, "ground-truth" kommentierte Datenbank mit Audiodaten zur Verfügung, die auf der fast 20-jährigen Forschung basiert, die Prof. Mehl mit der Electronically Activated Recorder (EAR)-Methode durchgeführt hat (Mehl et al., 2001; Mehl 2017). Während meines Monats als DSI-Fellow habe ich geholfen, die Grundlagen für eine Zusammenarbeit zu schaffen, die die rechnerische Analyse alltäglicher Klang- und Sprachereignisse auf die nächste wissenschaftliche Ebene bringen kann. 

Webseite: Prof. Dr. Matthias Mehl

Dr. Gianluca Miscione

Dr. Gianluca Miscione war von Dezember 2018 bis Mai 2019 DSI Fellow:

Ich war von Dezember 2018 bis Mai 2019 DSI-Fellow. Dieses Fellowship überschneidet sich mit der zweiten Hälfte meines Sabbatjahres, das ich hauptsächlich an der Universität Zürich verbrachte. Als Teil des DSI konnte ich die Forschung, die ich in Zusammenarbeit mit dem University College Dublin (meine Hauptaffiliation), der Information Management Research Group (IMRG) an der UZH und der Universität Münster entwickelt habe, erweitern. 

Meine aktuelle Forschung konzentriert sich auf Blockchain und Organisationen (Governance genauer gesagt). Ein konkreter Schritt in Richtung des DSI-Fokusbereichs "Demokratie" war somit die Entwicklung einer Literaturrecherche zu "Blockchain und Demokratie". Dieses Dokument wurde zusammen mit der umfangreichen Sammlung von Publikationen, auf deren Auswahl es beruht, allen DSI-Mitgliedern zur Verfügung gestellt und auch online über Zotero, ein kostenloses Referenzmanagementsystem, veröffentlicht. Diese Arbeit wurde auch für die Aufnahme in die Blockchain Research Network Library angenommen, der umfangreichsten Sammlung von wissenschaftlichen Arbeiten zu allen Aspekten der Blockkettenforschung. Die Begründung für die Wahl der freien Verteilung war, jedem Forscher zu helfen, der sich für dieses aufkommende Forschungsthema interessiert, und idealerweise einige möglichst gute Partner zu gewinnen. Ich würde diese Art der Verbreitung sogar für andere Ergebnisse der Aktivitäten des DSI vorschlagen.

Ein weiterer Teil meiner Fellowship widmet sich der Vernetzung innerhalb der DSI und zwischen den Organisationen. Was das erstere betrifft, so waren die DSI Fellows Meetings das perfekte Format, um tief genug in die Arbeit anderer einzutauchen und Kontakte zu knüpfen. Der Buchclub (organisiert von Prof. Hargittai) war immer sehr anregend und führte zu dieser Veröffentlichung (Hargittai E., Miscione G., (2019) "Watch Me Play: Twitch and the Rise of Game Live Streaming" im International Journal of Communication). Auch das Breakfast of Ideas war eine wertvolle Reihe von Treffen, die ich aktiv unterstützt habe, für Nachwuchswissenschaftler. Im Idealfall kann sich dies zu einem stärker konsolidierten interdisziplinären Ort für Doktoranden und Postdocs entwickeln. 

Was die Vernetzung zwischen Organisationen betrifft, so habe ich mich gefreut, einige Mitglieder der IMRG an damit verbundene Aktivitäten der DSI vorzustellen. Hoffentlich wird dies in Zukunft zu anderen Fellowships und anderen formelleren Kooperationen führen. Außerhalb der Wissenschaft wurden die Mitglieder des Inkubators Trust Square (und insbesondere ProCivis) und Crypto Valley auf die DSI und mögliche Kooperationen aufmerksam gemacht.

Nicht zuletzt wurde mit der Veröffentlichung "Der Blockchain-Hype - braucht es "Ockhams Rasiermesser"?" in der Reihe Insights der Digital Society Initiative in Inside-IT und Interviews, u.a. im Podcast The Baseline über "Währungen als Infrastrukturen", eine breitere Verbreitung von Ideen angestrebt.
Ich sehe viele mögliche Entwicklungen dieser ersten Aktivitäten. Die unmittelbarsten können sich über Kooperationen für gemeinsame Anträge auf Förderung internationaler Forschungsprojekte informieren. 

Webseite: Dr. Gianluca Miscione

Prof. Dr. Jean-Henry Morin

Prof. Dr. Jean-Henry Morin war von September bis Dezember 2018 zu Gast an der DSI und arbeitete an folgenden Themen:

Schweizer "Digital Transition" und Eidgenössische Wahlen 2019
Im Rahmen der Eidgenössischen Wahl 2015 haben wir gemeinsam mit GovFaces eine öffentliche Debatte über die Digitale Agenda der Schweiz organisiert, um das Engagement der Parlamentarier, der politischen Parteien und der Zivilgesellschaft in dieser Frage zu fördern (http://www.helvetic.govfaces.com/agenda-digital-suisse).
Die Debatte lieferte zwar einige interessante Beiträge und Ergebnisse, erreichte aber nicht das Ziel, das Thema in die politische Debatte für die Bundestagswahl einzubeziehen. Ein Jahr vor den nächsten Eidgenössischen Wahlen 2019 und angesichts der immer noch schleppenden politischen Führung in der Frage, die den Weg für die im Wesentlichen von der Wirtschaft getragene Initiative digitalswitzerland (ehemals Digital Zurich 2025) geebnet hat, halten wir es für eine sehr gute Gelegenheit, eine neue Initiative zu konzipieren, die dem rein ökonomisch getriebenen Ansatz entgegenwirkt und im Rahmen der UNIGE-UZH DSI-Initiative gemeinsam an einer neuen Initiative zu diesem Ziel arbeitet. Der Kanton Genf, mit dem wir durch GenèveLab in engem Kontakt und Zusammenarbeit stehen, der wachsende Stadtteil Civictech und die UZH-Kontakte mit der Bundesebene sind interessante Stützelemente für ein solches Ziel.

FacLab
Das Centre Universitaire d'Informatique (CUI) an der UNIGE arbeitet seit mehreren Jahren an der Einrichtung eines akademischen FabLab. Ziel ist es, die heute üblichen Fertigungs- und DIY-Ansätze, die aus der Arbeit am MIT (Neil Gershenfeld) stammen, an der Universität einzuführen, um die Ansätze "build to think" und "build to learn" auf der Grundlage von Design Thinking, Rapid Prototyping und User Centred Design zu nutzen. Solche Ansätze bergen ein enormes Potenzial, die Art und Weise, wie wir lehren, lernen und forschen, zu verändern. Darüber hinaus bieten sie interessante Möglichkeiten für eine gemeinsame Arbeit von Wissenschaft und Zivilgesellschaft.
Vor kurzem wurde das FacLab-Projekt bei UNIGE von der Division de l'Information Scientifique (DIS), dem Bureau de la Stratégie Numérique de l'UNIGE (BSN), der Division du Système et des Technologies de l'Information et de la Communication (DiSTIC) und mehreren externen Organisationen wie Lift Conference, Genève Lab des Staates Genf usw. interessiert. Während des letzten Open Geneva Festivals im April 2018 organisierten wir einen Hackathon zur Mitgestaltung des FacLab, an dem sich Teilnehmer der UZH beteiligten (Prof. Florent Thouvenin). Dies führte zu mehreren umsetzbaren Ergebnissen, die wir ab Herbst 2018 in Genf nutzen werden. Wir halten es für eine sehr gute Gelegenheit, gemeinsam an diesem Projekt zu arbeiten und zu versuchen, im Rahmen der UNIGE-UZH DSI-Initiative ein Schwester-FacLab an der UZH aufzubauen.

Digitale Verantwortung
Basierend auf langjährigen Forschungen im Bereich Digital Rights Management, insbesondere im Zusammenhang mit Enterprise Security, Governance Risk and Compliance (GRC) und Information Protection and Control (IPC), hat sich das Thema Digital Responsibility als wichtiges Thema im Zusammenhang mit dem Digital Transition und der verantwortungsvollen Gestaltung nachhaltiger Systeme und Dienste herausgestellt. Das gesamte Thema Cybersicherheit und Datenschutz bedarf eindeutig tiefgreifender Veränderungen bei der Gestaltung der Zukunft unserer digitalen Gesellschaft für die Zukunft (Morin 2014). 
Darauf aufbauend fanden kürzlich Gespräche mit der Fondation Ethos statt, um ein Digital Responsibility Criteria für ihre Bewertungen zu entwerfen. Diese Arbeiten werden im Herbst 2018 beginnen. Parallel dazu finden erste Gespräche mit Johan Rochel von Ethix (Lab für Innovationsethik) in Zürich statt. In diesem Bereich sind wir der Meinung, dass die Bündelung der Kräfte im Rahmen der DSI-Initiative UNIGE-UZH die Auswirkungen in diesem wichtigen Bereich auf eine nachhaltige digitale Gesellschaft beschleunigen und verstärken könnte.

Webseite: Prof. Dr. Jean-Henry Morin

Dr. Maël Pégny

Dr. Jean-Henry Morin war von 24. Februar bis 3. April 2020 zu Gast an der DSI und arbeitete am folgenden Thema:

Mein Fellowship an der DSI war stark vom Ausbruch des Coronavirus betroffen. Ich hatte nicht viel Zeit, den komfortablen Veranstaltungsort, die verschiedenen Veranstaltungen und den bemerkenswerten Service des Verwaltungsteams zu genießen. Ungefähr die Hälfte meines Aufenthalts in Zürich verbrachte ich in meiner Wohnung und arbeitete via Mail und Skype-Konferenzen mit meinen beiden Partnern in der Schweiz, Michele Loi (UZH) und Andrea Ferrario (Informatik, ETH). Es war mir nicht einmal möglich, Michele Loi, meinen Hauptpartner in diesem Projekt, physisch zu treffen, da er nach dem Ausbruch der Epidemie nicht mehr aus Mailand zurückkehren konnte.

Die anfänglichen Ziele meines Aufenthalts in Zürich bestanden darin, als Berater für Projekte zu fungieren, an denen Dr. Michele Loi und Dr. Markus Christen arbeiteten, und mit Dr. Loi über ein französisch-schweizerisches ANR-SNF-Stipendiengesuch zu schreiben, das sich mit den Erkenntnissen und ethischen Aspekten der Opazität des Maschinellen Lernens befasste. Diese Ziele mussten wegen der beachtlichen Desorganisation, die durch die Pandemie geschaffen wurde, heruntergestuft werden: Ich hatte eigentlich nie die Gelegenheit zu einem formellen Treffen mit Dr. Christen. Infolgedessen beschlossen wir, uns auf unser Hauptziel zu konzentrieren, d.h. die redaktionelle Bearbeitung des ANR-FNS-Vorschlags. Ich freue mich sagen zu können, dass wir trotz erheblicher Widrigkeiten in der Lage waren, rechtzeitig einen Antrag einzureichen. 

Lassen Sie mich dieses Projekt und sein Interesse für die DSI zusammenfassend darstellen. Einige der jüngsten Fortschritte im Bereich des maschinellen Lernens sind berüchtigt sowohl für ihre Leistungsfähigkeit, z.B. ihre Vorhersagekraft, als auch für ihre Opazität, d.h. unser mangelndes Verständnis ihrer inneren Funktionsweise. Dies wirft aus technischer Sicht erhebliche Probleme auf, da diese Software schwer zu analysieren, zu debuggen und zu verallgemeinern ist. Sie werfen auch aus gesellschaftlicher Perspektive Fragen auf, die sich mit den folgenden Fragen zusammenfassen lassen: Wann ist es legitim, ein Artefakt zu benutzen, das wir nicht vollständig verstehen? Da die industriellen Auswirkungen des maschinellen Lernens weiter zunehmen, wird diese Frage zwangsläufig erhebliche Auswirkungen auf ethische, politische und rechtliche Überlegungen haben. Dies war der ursprüngliche Anstoß für Dr. Loi und mich, ein Projekt zu verfassen, das Wissenschaftsphilosophen versammelt, die versuchen würden, die Natur der Opazität des Maschinellen Lernens und die Mittel zu ihrer Umgehung zu verstehen, sowie Moral- und Politikphilosophen, die versuchen würden, die sozialen Folgen einer solchen Opazität zu artikulieren und die legitime Verwendung von undurchsichtigen KIs zu definieren. Ein solches Projekt ist nicht nur zeitgemäß: Es entspricht einem dringenden Bedürfnis, da die philosophische Reflexion hinter den schnellen technologischen Veränderungen und ihren wachsenden Auswirkungen auf die Gesellschaft hinterherhinkt. 

Die Interdisziplinarität unseres Vorschlags, die von Anfang an im Mittelpunkt unserer Methodik stand, wurde erst durch weitere Arbeiten vertieft und führte schließlich zu einer Öffnung gegenüber Rechtswissenschaftlern und Informatikern. Wir haben uns mit Danièle Bourcier, einer bekannten Gründerin der Computer Science & Law in Frankreich, zusammengetan, um die Konsequenzen unserer ethischen Überlegungen in einem Whitepaper zu artikulieren, das sich an Gesetzgeber und Rechtswissenschaftler richtet. Wir haben auch die Teilnahme von Wissenschaftlern einbezogen, die auf dem Gebiet der Statistik und des Machine Learning tätig sind. Dies ergab sich aus der Erkenntnis einer besonderen Komplementarität zwischen Philosophie und Machine Learning. Es gibt ein sehr aktives Teilgebiet der KI, das sich der Konzeption von Werkzeugen zur Auflösung oder zumindest Umgehung der Opazität des Maschinellem Lernens widmet, genannt eXplainable Künstliche Intelligenz. Dieser Bereich versucht, Erklärungen für das Verhalten undurchsichtiger Systeme zu finden. In der gegenwärtigen Situation besteht jedoch einerseits ein Mangel an konzeptionellem Verständnis dafür, was eine gute Erklärung unter Informatikern sein sollte. Auf der anderen Seite gibt es unter Philosophen, die beträchtliche Anstrengungen unternommen haben, um zu klären, was die Desiderata einer ehrlichen Erklärung sein sollten, einen allgemeinen Mangel an Bewusstsein für diese technische Arbeit. Diese beiden Gemeinschaften brauchen sich also gegenseitig, und wir haben beschlossen, sie durch ein Projekt für ein automatisiertes Erklärungssystem für das Gesundheitswesen zusammenzubringen, in dem versucht werden soll, herauszufinden, ob die philosophischen Konzepte der Erklärung in Computersysteme implementiert werden können und reale Probleme von Praktikern des Maschinellen Lernens lösen können. Diese Idee hat auch dazu geführt, den internationalen Charakter unseres Projekts zu verstärken, da wir als externe Partner Wissenschaftler aus Mailand einbezogen haben, die ihre Bedürfnisse im Umgang mit der Opazität des maschinellen Lernens in ihrer täglichen Praxis erklären werden. Schliesslich hat sich uns ein Informatiker der ETH Zürich, Andrea Ferrario, angeschlossen, der uns bei unserem Projekt des automatisierten Erklärens helfen wird. Unser Engagement für praktische Erfahrung mit der Informatik hat uns zu einem originellen Schritt für ein Philosophieprojekt geführt, nämlich der Aufnahme eines vierjährigen Informatik-Postdocs in unser Explainer-System, der zwischen Paris und Zürich hin- und herreisen wird, um die Beziehungen zwischen den beiden Teams und den beiden Disziplinen zu implementieren. 

Lassen Sie mich erklären, was die positiven Auswirkungen dieses Vorschlags für die DSI wären. Dies sollte nicht nur eine Gelegenheit sein, zu einem Trendthema Stellung zu beziehen, bei dem die Behörden des Kantons Zürich sehr aktiv waren. Es würde zur Schaffung eines aktiven Forschungsnetzwerks zwischen drei Ländern auf einem neuen und vielversprechenden interdisziplinären Nexus beitragen: Nach unserem Wissensstand sind wir das einzige Projekt, das die Zusammenarbeit zwischen Philosophie und Maschinellem Lernen auf diese Ebene der Zusammenarbeit bringt. Es handelt sich um eine Weltneuheit, die für die DSI einen Platz an der Spitze des Feldes einnehmen würde. Der Vorschlag berücksichtigt auch die Bedeutung der sprachlichen Vielfalt, und unser dreisprachiges Team wird diesem für die Eidgenossenschaft so wichtigen Thema bei der Entwicklung unseres Erklärungssystems besondere Aufmerksamkeit widmen. Schliesslich wird die extreme Relevanz unseres Themas für die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zwangsläufig einen Raum zwischen den fortschrittlichsten akademischen Forschungen und öffentlichen Debatten eröffnen, sei es durch unsere juristische Arbeit oder auf andere Weise.

Webseite:  Dr. Maël Pégny

PD Dr. Birte Platow

PD Dr. Birte Platow ist von Januar bis Dezember 2019 DSI Fellow und wird sich mit dem folgenden Thema befassen: 

Anthropomorphe Übertragungen als Konstitutivum der Begegnung von Mensch und künstlicher Intelligenz

Wie nehmen Individuen sich selbst wahr im Umgang mit Künstlicher Intelligenz, und wie verhalten sie sich in der Folge? Das ist die zentrale Frage meines Fellow-Projekts "Anthropomorphe Übertragungen als Konstitutivum der Begegnung von Mensch und künstlicher Intelligenz", das ich bei der DSI im interdisziplinärem Austausch unter optimalen Bedingungen verwirklichen darf.

Anlass meiner Forschung ist die Beobachtung, dass sich in der Begegnung von Mensch und Künstlicher Intelligenz implizit und unbewusst der traditionelle Referenzrahmen anthropologischer Beschreibungen vom Menschen verändert, die Selbstbilder und das ihnen korrespondierende Verhalten des Menschen also durch neue Bezugspunkte bestimmt werden. In dem Maße, wie das Individuum zunehmend digital repräsentiert wird, werden Mensch und KI nämlich zu komplementär aufeinander bezogenen Größen eines einzigen und meist funktional bestimmten Bezugssystems.

Auf Basis einer qualitativ-empirischen Studie möchte ich idealtypische Begegnungssituationen zwischen Mensch und KI sowie die in diesen Situationen erkennbar werdenden Muster und Strategien der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung von KI beschreiben. Die Erkenntnisse und weiterführenden Fragen, die sich aus dieser Studie ergeben, deute ich als Theologin vor dem Hintergrund christlicher Anthropologie, um so ggf. einen Beitrag zur Frage zu leisten, welche Ethik wir brauchen in einer Zukunft, in der die Bedeutung und Reichweite von KI noch deutlich größer sein wird als heute.  

Webseite: PD Dr. Birte Platow

Dr. Mike Stuart

Mike Stuart war von Februar 2018 bis Januar 2020 ein DSI-Fellow und arbeitete an folgendem Projekt:

Projekt: How to Hold Machines Responsible for their Actions

Momentan gibt es keine Möglichkeit, autonome künstliche Agenten (AAA) rechtlich zu beschuldigen. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie einen Grad an Autonomie erreichen, der sich dem tierischen oder menschlichen Niveau annähert, und dann wollen wir sie vielleicht (zumindest teilweise) für ihre Handlungen verantwortlich machen. Damit eine AAA rechtlich verantwortlich ist, muss sie einen "mens rea" oder "Kenntnis des Zwecks" haben; sie muss im Voraus wissen, welche Konsequenzen ihre Handlungen haben werden. Aber die genaue Art dieses erkenntnistheoretischen Zustands ist noch recht vage. Benötigen wir zum Beispiel wirklich Wissen (im Sinne der Philosophen), oder wäre ein Zustand, der in verschiedenen Stufen (wie Verstehen oder Bewusstsein) vorliegt, vorzuziehen? Mein Projekt verwendet umfragebasierte Methoden, um zu bestimmen, was der relevante erkenntnistheoretische Zustand ist, und stützt sich auf bestehende Arbeiten in der Erkenntnistheorie, um zu ermitteln, welche anderen Merkmale AAAs aufweisen müssen, um in diesem erkenntnistheoretischen Zustand zu stehen.

Ergebnisse

Ich begann mit Online-Umfragen, um herauszufinden, welche psychischen Zustände als mens rea eingestuft werden können und ob Laien natürlich eine Voreingenommenheit gegen die Idee der Verantwortung von Robotern haben. Es scheint keine solche Voreingenommenheit zu bestehen: Wichtig ist, dass der für den Schaden verantwortliche Agent (mindestens) 60% sicher war, dass das, was er tat, zu Schaden führen würde. Dennoch stellte ich fest, dass die Menschen weniger bereit waren, einem Roboter oder einer Maschine Glaubenssätze zuzuschreiben als einem Menschen. Ich arbeite jetzt daran, ob es möglich ist, dass Maschinen auftretende oder nicht auftretende Überzeugungen haben. Ich konzentriere mich auch auf die Asymmetrie zwischen unserer Bereitschaft, Maschinen für gute Arbeit zu loben, und der mangelnden Bereitschaft, Maschinen für den von ihnen verursachten Schaden verantwortlich zu machen. Ich konzentriere mich auch auf die Intuition von Experten (statt auf die Intuition von Laien). Mein nächstes Projekt wird sich mit der Möglichkeit der Roboter-Imagination sowie der "erklärbaren KI" befassen.

Während meiner Zeit am DSI habe ich meine Arbeit in einem Vortrag mit dem Titel "Guilty Artificial Minds" vorgestellt. Ich traf mich auch mit Kollegen, um mögliche Forschungskooperationen zu besprechen (Markus Kneer und Eva Weber-Guskar), und erhielt sehr wertvolles Feedback von meinen anderen Kollegen. Ich habe meine Zeit am DSI sehr geschätzt.

Webseite: Dr. Mike Stuart

Prof. Dr. Carmen Tanner

Prof. Dr. Carmen Tanner war im Herbstsemester 2019 DSI Fellow und befasste sich mit folgendem Thema:

Förderung von Personal Integrity via Serious Games und anderen digitalen Tools

Um die Entwicklung und Anzahl von fragwürdigen Geschäftspraktiken in der Finanz- und Wirtschaftswelt (wie Betrug, Täuschung, Korruption) zu reduzieren, wurde in den vergangenen Jahren in erster Linie auf Regulierung und Compliance gesetzt. Im Unterschied dazu, geht der Ansatz von Moral Intelligence (Tanner & Christen, 2014) davon aus, dass die Umsetzung von Unternehmenswerten und Verhaltensregeln (Codes of Ethics) in die Praxis auch von individuellen psychologischen Kompetenzen abhängt. Integre Führungskräfte und Mitarbeitende sind wieder gefragt. Persönliche Integrität setzt jedoch eine Reihe von wahrnehmungs-, motivations-, entscheidungs- und handlungsbezogenen Fähigkeiten voraus. Seit einigen Jahren befasse ich mich mit der Frage, wie digitale Tools zur Förderung von solchen psychologischen Kompetenzen eingesetzt werden können. In interdisziplinären Kooperationen und mit dem DSI haben wir ein erstes Videogame (Serious Moral Game) entwickelt, in der Aus- und Weiterbildung eingesetzt und in einem Forschungsprojekt auch dessen Wirksamkeit empirisch überprüft. Im Rahmen des DSI Fellowships sollen nun Weiterentwicklungen dieses Games und/oder die Entwicklung alternativer digitaler Tools zur Stärkung von Eigenverantwortung, Entscheidungsfähigkeit und Mut angedacht werden. Angestrebt wird auch eine Kooperation mit einem Businesspartner. 

Webseite: 

Center for Responsibility in Finance, Department of Banking and Finance

Chair of Economic Psychology and Leadership Ethics

Dr. Lonneke van der Plas

Lonneke van der Plas, Senior Lecturer für Human Language Technology am Institute of Linguistics and Language Technology der Universität von Malta, war im Wintersemester 2019 als DSI Fellow an der UZH sein. Dr. van der Plas ist eine international anerkannte Forscherin auf dem Gebiet der automatischen semantischen Analyse, die zu Themen wie semantische Netzwerke, flache Semantik und Mehrwortausdrücke beiträgt. Als DSI-Fellow arbeitete Lonneke van der Plas an drei Hauptprojekten. 

Koordination von Erasmus+ Strategische Partnerschaften im Bereich der Hochschulbildung. In Zusammenarbeit mit Dr. Tanja Samardzic von der Universität Zürich (UFSP "Sprache und Raum") organisierte sie ein Treffen mit potenziellen internationalen Projektpartnern von der Universität Malta, der Universität Belgrad, der Universität Bologna, der Universität Graz, Clarin ERIC und der Universität Rijeka. Zentrales Ziel des Projekts ist es, Qualifikationslücken und Missverhältnisse bei den Studierenden sprachbezogener Fachrichtungen zu beseitigen, indem die Entwicklung von Materialien unterstützt wird, die den auf dem aktuellen Arbeitsmarkt benötigten Lernergebnissen besser entsprechen. Technologiegiganten wie Google, Amazon und Facebook arbeiten alle mit Sprachdaten, und die Nachfrage nach Forschungskompetenzen in sprachbezogenen Bereichen wächst ständig. Wie unsere Umfrage zeigt, orientieren sich die Universitätslehrpläne auf BA-Ebene nur selten an den Methoden, die für die benötigten Fähigkeiten erforderlich sind, und konzentrieren sich eher auf die Beschreibung als auf die Vorhersage oder Erklärung sprachlicher Phänomene. Infolgedessen sind die Studierenden in der Regel schlecht auf eine Karriere in der Forschung oder in der Industrie vorbereitet. Die vorgeschlagene strategische Partnerschaft wird eine integrierte forschungsorientierte Perspektive in sprachbezogene Programme einführen, wobei der Schwerpunkt auf den BA-Stufen liegt. Dies wird die Beschäftigungsfähigkeit der Studenten verbessern, indem sie die entscheidenden Fähigkeiten erwerben, die sie für eine Vielzahl von Positionen auf dem Arbeitsmarkt, auch auf höheren Ebenen, benötigen. 

 

Kreativität und KI. Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit mit Dr. Michele Loi (Institut für Biomedizinische Ethik und Geschichte der Medizin, Universität Zürich) durchgeführt und konzentriert sich auf das Thema Kreativität und KI. Dieses Papier zielt darauf ab, ein Thema auf die Agenda der KI-Ethik zu setzen, das im aktuellen Diskurs übersehen wird. Die aktuellen Diskussionen werden von Themen wie Vertrauenswürdigkeit und Voreingenommenheit dominiert, während das Thema, auf das sich dieses Projekt konzentriert, in gewisser Weise der Debatte über Vertrauenswürdigkeit entgegengesetzt ist. Die Überbeanspruchung der derzeit dominanten KI-Systeme, die von kurzfristigen Zielen getrieben und auf Fehlervermeidung optimiert sind, führt zu einer Gesellschaft, die ihre für echten Fortschritt notwendige Vielfalt und Flexibilität verliert. Die Bedenken werden im Diskurs um den Begriff der Anti-Fragilität ausgedrückt und zeigen anhand einiger Beispiele, welche Gefahren die derzeitigen Methoden der Entscheidungsfindung für die Gesellschaft darstellen. 

 

Zusammensetzungen und Korpora von Nicht-Standard-Sprache. Die Zusammenarbeit mit Prof. Stark (Co-Leiterin des UFSP "Sprache und Raum", Universität Zürich) begann mit dem Kick-off-Meeting, bei dem die DSI-Fellow ihre Arbeit den lokalen Forschern der Universität Zürich vorstellte. Sie arbeiten derzeit am Thema Liaison in der französischen Datenwelt zusammen. Insbesondere untersuchen sie die Korrelation zwischen dem Grad der Geschlossenheit, wie er in mehrsprachigen Paralleldaten und der Liaison gemessen wird. Unter Liaison versteht man die offene Realisierung eines latenten Wort-Endkonsonanten, der (in einem spezifischen syntaktisch-prosodischen Kontext) nicht vor einem folgenden Wort-Initial-Konsonanten ausgesprochen wird, sondern vor einem folgenden Wort-Initial-Vokal. Ein Student von Prof. Stark wird französische Audiodaten kommentieren, auf die ein BSc-Student aus Malta eine statistische Verarbeitung anwendet, um mehrere Hypothesen bezüglich der Verbindung und der lexikalischen Assoziation zwischen den Wörtern in der Phrase zu testen, wie sie in Prof. Starks früherer Arbeit formuliert wurden.  

 

Webseite: Dr. Lonneke van der Plas

Prof. Dr. Eva Weber-Guskar

Eva Weber-Guskar war von Februar bis Juli 2019 Fellow der DSI.

Forschung

Im Zentrum des Fellowships stand die Forschung zur Ethik der emotionalen Künstlichen Intelligenz. KI-Systeme werden in der Kommunikation und anderen Praktiken zunehmend zu direkten Partnern für Menschen. Beispiele dafür reichen von Sprachbots wie Siri im Smartphone, Haus- und Kauf-Assistenten wie Alexa bis zu Robotern als Museumsführer oder in der Altenpflege. Zu dieser Entwicklung gehört auch, dass die Systeme zunehmend mit emotionalen Funktionen ausgestattet werden (Emotionen erkennen, bei anderen hervorrufen und eigenes Ausdrucks- und Reaktionsverhalten simulieren), teilweise als Hilfe für die Kommunikation, teilweise als Selbstzweck. Die Forschungsfrage lautet, welche Probleme mit solcher emotionalisierter KI (EKI) einhergehen, und zwar sowohl enger moralphilosophisch als auch weiter ethisch-anthropologisch.

In einem ersten Vortrag dazu gehe ich von der verschiedentlich geäußerten Sorge nach, dass es falsch oder problematisch sein könnte, als Mensch solchen EKI Systemen, die Gefühle nahelegen, tatsächlich mit Gefühlen zu begegnen. Dabei konzentriere ich mich auf soziale Gefühle: Mitgefühl und reaktive, moralischen Emotionen. Ich zeige, dass sie epistemisch unangemessen sind und erörtere, inwieweit sie dennoch aus einem moralischen Grund als wünschenswert gelten können. Schließlich verweise ich darauf, wie diese Ambivalenz der Bewertung aufgelöst werden kann, indem man nämlich die Möglichkeit eines besonderen epistemischen Verhältnisses zwischen Mensch und Maschine in Betracht zieht: die imaginative Wahrnehmung als Basis von Emotionen. Die Rückmeldungen von den verschiedenen Orten, an denen ich den Vortrag gehalten habe (Zürich, Oldenburg, Bochum), nutze ich zur Überarbeitung des Textes für eine Publikation. 

Vernetzung

Das Fellowship hat mir exzellente Bedingungen zum Vernetzen geboten. Ich habe am allgemeinen DSI-Speeddating teilgenommen, an zahlreichen Fellow Exchange Days und Brown Bag Lunches und bin Mitglied des Digital Ethics Labs der DSI geworden. Überall habe ich ForscherInnen kennengelernt, von denen ich auch etwas für mein Thema lernen konnte. Innerhalb des Labs gehöre ich nun zu der Gruppe, die einen Workshop zum Thema „Trust in Machines“ organisieren wird. Es sind auch Kooperationen mit meinem nächsten Forschungsort, dem Weizenbaum Institut für vernetzte Gesellschaft geplant.

Outreach

Daneben habe ich als Mitglied der Begleitgruppe die TA Swiss Studie „Selbstfahrende Fahrzeuge in der Schweiz“ beraten, die im Herbst 2019 erscheinen wird. Ich war als Referentin bei öffentlichen Abendveranstaltungen im Kulturverein Rothenburg (Ethische Fragen der Digitalisierung) und im Literaturhaus Stuttgart (Lange Nacht der KI, „Can you write me a poem, Siri?“) eingeladen und wurde vom UZH Magazin zum Schwerpunkt „Wir und die Maschinen“ interviewt. Auf inside.it.ch in der Blog-Reihe DSI-Insights habe ich meine Überlegungen aus einem Forschungsprojekt zur Frage, wieviel Anonymität bei Online-Kommentaren hilfreich für den politischen Diskurs ist, zusammengefasst. Schließlich habe ich mit Fellow Dr. Sarah Ebling zusammen ein Science Café auf der Scientifica 2019 geleitet, zum Thema „Kann ein Computersystem denken? Der Turing-Test im Film und in der Gegenwart“. 

Webseite: Prof. Dr. Eva Weber-Guskar

Dr. Bruno Wüest

Webseite: Dr. Bruno Wüest

Dr. Kristina Yordanova

Dr. Kristina Yordanova war im Juli und August 2018 zu Gast an der DSI und im UFSP Dynamik Gesunden Alterns.

Das Hauptprojekt, das ich während meines DSI Fellowships verfolgt habe, war die Entwicklung automatisierter Methoden zur Extraktion von Situationswissen und zur Interpretation des menschlichen Verhaltens. Dies beinhaltet die Untersuchung sowohl verschiedener Arten von Informationsquellen als auch verschiedener Rechenlösungen für die Interpretation heterogener Daten. In diesem Zusammenhang konnte ich einen Workflow zur automatischen Identifizierung von sozialen Verhaltensweisen und Umgebungen aus Transkripten von täglichen Gesprächen vorschlagen. Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass es möglich ist, automatisierte Methoden zur Codierung von Transkripten täglicher Gespräche mit relevanten psychologischen Variablen anzuwenden.  Ein weiterer Aspekt des Projekts war die Identifizierung relevanter Faktoren, die ein gesundes Altern aus situationsgerechter Sicht beschreiben. Diese Faktoren können später genutzt werden, um über das tägliche Leben eines Menschen, die Entwicklung seiner Situation und die Auswirkungen dieser Faktoren auf das langfristige Verhalten im Zusammenhang mit gesundem Altern zu urteilen.

Webseite: Dr. Kristina Yordanova